"Naturtalente"-Programm: Unter die Motorhaube schauen

Talente. An der Universität Wien startete zum fünften Mal das „Naturtalente“-Programm für ausgezeichnete Studierende, die schon heute exzellente Jobaussichten haben.

(c) Jennifer Fetz / fotografiefetz

Der Fachkräftemangel belastet Österreichs Unternehmen. Bei den mittelständischen Unternehmen verlieren 40 Prozent der Befragten deswegen Umsätze, ergaben jüngste Erhebungen des Beratungsunternehmens EY.

Rund 32 Prozent der Unternehmen gaben an, die Belegschaft in den kommenden sechs Monaten aufstocken zu wollen (nach 35 Prozent im Vorjahr). Gut die Hälfte meinte, ihr falle die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern „eher schwer“. Probleme bei der Fachkräftesuche haben Unternehmen in ganz Österreich, es gibt aber ein regionales Gefälle: Während die Situation in den östlichen Bundesländern noch vergleichsweise gut ist, kämpfen der Westen und Süden Österreichs mit den größten Problemen. Am besten ist die Situation in Wien – allerdings klagen auch hier immer noch 17 Prozent über „große“ und weitere 53 Prozent über „eher große“ Schwierigkeiten bei der Fachkräfterekrutierung.

Für die Unternehmen ist klar, dass sie aktiv werden. Sechs von ihnen, Accenture, Erste Group Bank, Kapsch BusinessCom, Oracle Austria, Uniqa und Zürich Versicherung, begaben sich auf ganz spezielle Weise auf die Suche nach aufstrebenden Talenten. Sie fanden 26 ausgewählte Masterstudierende und Doktoranden aus den Fächern Informatik, Mathematik, Physik und Wirtschaftswissenschaften. „Naturtalente“ also, so, wie auch das Programm heißt, das die Karriereplattform der Uni Wien, Uniport, aufgesetzt hat.

Seit 2015 wurden mehr als 160 Naturtalente mit interessierten Unternehmen in Kontakt gebracht. In diesem Sinn warten auf die aktuellen Naturtalente, die alle auf dem Sprung in die Arbeitswelt sind, zunächst ein zweitägiges Kompetenz- und Persönlichkeitstraining und danach sechs Halbtage in den sechs teilnehmenden Unternehmen.

Klare Karrierepläne haben nur wenige der 26 Naturtalente, vor allem jene, die schon über Praxiserfahrung verfügen bzw. bereits an ihrer Dissertation arbeiten. Manche von ihnen wissen auch recht klar, was sie beruflich eben nicht machen wollen.

Auf der Suche nach Herausforderungen

Eines aber ist allen gemein: Sie wollen im zukünftigen Job gefordert und herausgefordert werden. Was die Experten der sechs Unternehmen – Daniel Baur (Accenture), Christian Dorfinger (Erste), Christian Wenner (Kapsch), Martin Winkler (Oracle), Barbara Lieblich-Steiner (Uniqa) und Andreas Heidl (Zürich) – gerne sehen. Bei der Kick-off-Veranstaltung zum „Naturtalente“-Programm gaben sie den Studierenden daher auch einige Karrieretipps mit.

Studieren – aber nicht nur. Lernen und an der Universität gute Noten bekommen ist wichtig und eine gute Voraussetzung für interessante Aufgaben im Berufsleben. Über dem Studieren aber sollte die Praxis nicht vergessen werden. Der einhellige Rat: ins Berufsleben eintauchen.

In Unternehmen Einblick nehmen. Im Rahmen der „Naturtalente“, aber auch bei Praktika oder Werkstipendien sehen, wo, wann und wie gearbeitet wird und den „look and feel“ wirken lassen – oder anders gesagt, im übertragenen Sinn den Unternehmen unter die Motorhaube schauen.

Wie ein Kunde denken. Die Erwartung an junge Mitarbeiter lautet, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und im Sinne der „customer centricity“ nachzuspüren, was Kunden empfinden (könnten).

Experimentieren. Zu überlegen gilt es: Was habe ich in meinem Leben noch nicht gemacht – und was davon würde ich gerne tun? Um es dann auszuprobieren. Das müsse nicht unbedingt professionell erfolgen, aber zumindest als Hobby.


[P9QCA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2019)

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