Stärken? Ja, aber ich weiß nicht welche!

Inspiration für Millennials #5. Mit Young Science-Botschafter Gerhard Furtmüller die eigene Persönlichkeit entwickeln. Diesmal: Wie Du Deine Stärken erkennen kannst?

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In den letzten Wochen habe ich über die Bedeutung der Stärken für das berufliche Vorankommen und für die Erhöhung des Selbstwerts geschrieben. Beides ist für die persönliche Entwicklung elementar, da gilt, wenn man sich selbst mehr zutraut, wird auch eine berufliche Beförderung umso wahrscheinlicher.

Ich spreche in diesem Zusammenhang von einem sich selbst verstärkenden Kreislauf, da sich durch die Stärkung der eigenen Persönlichkeit die Chancen im Hinblick auf den Beruf, aber auch im Privaten erhöhen. Das bedeutet in einem Satz: Du wirst in allen Lebensbereichen attraktiver!

Das geht damit einher, dass Dir dadurch mehr neue Möglichkeiten geboten werden, was zu einer Steigerung des Selbstvertrauens führt. Daraus ergibt sich der von mir zuvor angesprochene sich selbst verstärkende Kreislauf.

Stärken als unbekanntes Terrain auf der Persönlichkeitslandkarte

Dennoch haben viele Menschen Schwierigkeiten damit, in diesem Kreislauf Fuß zu fassen – denn dazu müssten sie zuerst wissen, wo eigentlich ihre Stärken liegen. Von diesem Problem berichten mir einige Leser dieser Kolumne. Diese schreiben mir, dass sie nicht wissen, wie sie ihre Stärken erkennen können.

Das stimmt mich sehr nachdenklich, da wir viele Jahre durch Schulen, Unternehmen, aber auch durch Sport- und Musikvereine geprägt wurden und wir trotzdem viel zu wenig über uns als Menschsein erfahren haben. Dennoch spiegelt das die Realität wider, da wir im jungen Erwachsenenalter leider viel zu wenig über unsere Stärken wissen. Das ist eine Gegebenheit, die sich bis ins höhere Alter fortsetzen kann.

Der Grund dafür ist, dass sich die Stärken relativ ruhig äußern. Damit sind sie für uns, aber auch für andere schwer wahrnehmbar. Da sie uns nicht bewusst sind, können sie damit auf unserer Persönlichkeitslandkarte als unbekanntes Terrain bezeichnet werden.

Nutze Indikatoren, um Deine Stärken zu erkennen

Auch ich habe meine Stärken jahrzehntelang nicht gekannt. Ich habe sogar geglaubt, dass ich mich um die Schwächen im Leben kümmern muss, um persönliche Zufriedenheit zu erlangen. Heute weiß ich, dass diese Herangehensweise nicht funktioniert.

Vielmehr ist es wichtig, die Situationen zu erkennen, wo das Leben fließt. Daher ist es geschickt, sich an offensichtlichen Hinweisen zu orientieren, die ein Erkennen der Stärken ermöglichen. Ich habe beispielsweise lange nicht gewusst, warum mich mein Trainer bereits mit acht Jahren zum Kapitän der Fußballmannschaft ernannt hat oder warum mir beim Trainee-Programm für den wissenschaftlichen Nachwuchs von den Kollegen stets die Moderatorenrolle aufgedrängt wurde.

Heute weiß ich, dass es nicht daran lag, dass niemand die Arbeit übernehmen wollte. Es lag viel eher daran, dass ich ein Team gut führen kann und weil mir das Endergebnis wichtig ist. Dazu musste ich über 40 Jahre werden, um das zu erkennen – und auch zu verstehen, dass dies der Grund ist, warum ich gegenwärtig das Fach Personal, Führung, Organisation an der WU für über 2.000 Studierende jährlich leiten darf.

Daher ist es mir wichtig, dass Du bereits in jüngeren Jahren mehr über Dich als Person weißt. Somit frage ich Dich dieses Mal: Bei welchen Tätigkeiten erkennst Du Deine Stärken?

Mache Deine Stärke sichtbar und tausche Dich mit vertrauten Personen aus, nutze die Kommentarfunktion weiter unten oder schreibe mir ein Mail: gerhard.furtmueller.presse@wu.ac.at.

Privat

Gerhard Furtmüller aka Doktor Furti ist Senior Lecturer am Department für Management der Wirtschaftsuniversität Wien und Young Science Botschafter. An der WU begleitet er jährlich Tausende Millennials auf ihrem Weg ins Berufsleben. Seine Publikationen zum Thema Motivationsaufbau sind u.a. im Harvard Business Review erschienen.

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