Drei Jahre danach: Welche Jobs die Digitalisierung fraß

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Freund oder Feind? So niedlich wie den kleine Roboter "Pepper" fanden nur wenige die Digitalisierung. Viele hatten Angst um ihren Job. Hier ist, was bisher geschah, gerankt nach dem Gefährdungspotenzial.

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Noch 2017 war sich das Deutsche Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (DIA) sehr sicher: Bei den Logistikern würden 100 Prozent, also alle Routenplaner der Digitalisierung zum Opfer fallen.

Immerhin, ein Teil ist richtig: Wie jeder Navi-Besitzer weiß, plant der Computer Routen tatsächlich besser und schneller als der Mensch. Tatsächlich wurde der Großteil der menschlichen Routenplaner bereits umgeschult und übernahm neue Aufgaben.

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Die zweithöchste Zahl: 83,9 Prozent der in der Mineralgewinnung beschäftigten Bergleute sollten laut DIA ihren Job verlieren. Mag sein, hier gibt es neue Technologien, um tief im Boden verborgene Mineralien auszumachen. Es gibt auch schweres Gerät, um sie auszugraben. Doch das muss erst finanziert werden. Bisher ist alles (fast) wie gehabt.

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75,3 Prozent der Back-, Konditor-, Süßwarenhersteller prophezeite das DIA eine trübe Zukunft. Das ist heute nur insofern zu merken, als dass die Babyboomer in Pension gehen.

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Nahe dran auch die Industrie-, Werkzeugmechaniker: 74,3 Prozent sollen ihren Job verlieren. Tatsächlich?

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Noch eine erschreckend hohe Zahl: In Finanz, Buchhaltung und Rechnungswesen sollen 69,9 Prozent der Jobs wackeln. Wer weiß, wie verzweifelt verlässliche Buchhalter, Lohnverrechner und Controller gesucht werden, wundert sich.

Richtig ist aber: Es wird der Tag kommen, wo Computer etwa automatisch buchen können. Bis dahin haben die menschlichen Kräfte Zeit, sich mit der Digitalisierung in ihrem jeweiligen Berufsfeld zu beschäftigen. Das heißt: Programmieren lernen (in jedem Berufsfeld!), aufgeschlossen gegenüber neuer Software sein, sich neue  Arbeitstechniken aneignen. Der Bedarf nach zeitgemäß ausgebildeten Kräften ist groß!

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Techniker: 55,1 Prozent Gefährdungspotenzial

Diese Zahl schien schon 2017 unglaubwürdig. Techniker aller Berufsfelder, die auf dem Laufenden geblieben sind, waren und sind äußerst gesucht.

Ein Beispiel ist die Wärme- und Kältetechnik: Aktuell boomt die Nachfrage für den Einbau von Klimaanlagen.

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Telefonist, Call Center: 54,7 Prozent

Wir wollen es nicht leugnen: Auf diesem Gebiet tut sich viel, Stichwort Chatbots. Allerdings versichern die großen Call Center-Betreiber, sie müssten diese einsetzen, um der steigenden Nachfrage Herr zu werden und um etwa die unbeliebten Nacht- und Tagesrandzeiten abzudecken. Aktuell werden die Systeme eher eingesetzt, um Routineanrufe von den menschlichen Call Center Agents fernzuhalten.

Langfristig allerdings, wenn die Systeme wirklich ausgereift sind (was sie noch nicht der Fall ist), wird es zu Einsparungen kommen.

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Luft- und Schiffahrt: 46,7 Prozent

Erstens: Allein der Passagierverkehr wächst (allem Flight Shaming zum Trotz) jedes Jahr zwischen fünf und zehn Prozent. Ähnliches gilt für den Frachtverkehr.

Zweitens: Zwar übernehmen Roboter mehr und mehr die körperlich schweren Tätigkeiten. Mit dem steigenden Passagier- und Frachtaufkommen steigt aber auch der Bedarf nach Robotersteuerung, IT-Abwicklung und menschlicher Betreuung für die Passagiere.

Richtig ist: Es wird zu Reduktionen bei den körperlichen Hilfstätigkeiten kommen. Schleunigst den Umgang mit dem Computer zu lernen sichert den Aufstieg in die nächste Jobebene!

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Verkaufsberufe Einzelhandel: 43 Prozent
Groß- und Einzelhandel: 34,3 Prozent

Richtig ist, dass Konsumenten weltweit die Vorzüge des e-Commerce zu schätzen lernen.

Richtig ist aber auch, dass dessen Anteil am Einzelhandel noch unter zehn Prozent ausmacht, Tendenz allerdings stark steigend. Der Plafond soll bei etwa 20 Prozent Anteil liegen. Die Daten sind allerdings widersprüchlich. Einer MindTake-Studie vom Juli 2019 zufolge zieht ausgerechnet die Generation Z das Shopping Center wegen dessen Erlebniseffekts dem Internet vor.

Tatsache ist, dass die großen Händler aufgrund des Auf- und Ausbaus der neuen Vertriebsschiene heute eher Personal suchen als abbauen. Und dass es seit 2018 in  Österreich den neuen Lehrberuf E-Commerce-Kaufmann gibt, den die meisten Ketten ihren Lehrlingen ans Herz legen.

Fazit auch hier: Mitlernen statt übrigbleiben.

 

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Reinigungsberufe: 40 Prozent

Zukunftsmusik. Zwar mag es neue elektronische Helferlein geben (Stichwort Saugroboter), aber die ersetzen kein Reinigungspersonal.

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Fleischer: 39,7 Prozent

Vorstellbar und sogar nötig: Die Branche klagt über Nachwuchsmangel.

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Bank-, Versicherungsfachleute: 39,5

Natürlich, schon in den vergangenen fünf Jahren wurde das Filialpersonal (Stichwort Bank"beamter") schwarenweise in Frühpension geschickt. Gleichzeitig wird bei Banken wie Versicherungen aktiv rekrutiert, IT-affine Entwickler,  Anwender und Kundenbetreuer (Stichwort Videoberatung) nämlich.

Conclusio auch hier: Digitale Offenheit erspart gekündigt werden.

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Land-, Tier-, Forstwirtschaft, Gartenbau: 39,2 Prozent

Falls hier Holzernte- und Melkmaschinen gemeint sind: Wer will schon im Steilhang schlägern oder hunderte Kühe händisch melken?

Roboter, die diese Arbeiten abnehmen, sind willkommen. Weil kein Mensch sie machen will. Und weil auch die billigen ausländischen Kräfte, auf die man bisher zurückgegriffen hat, lieber etwas anderes machen wollen.

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Geschäftsführung, Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung: 28,8 Prozent

Wir hören und staunen. Nichts davon ist aktuell zu bemerken.

Zwar bedienen sich immer mehr Berater und Prüfer digitaler Unterstützug wie Big Data und Analytics. Ohne die ist die Arbeit aber gar nicht mehr möglich. Menschenhirne können keine Millionen Dokumente erfassen.

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Design, Fotografie: 27,6 Prozent

Seit wann sind Roboter kreativ?

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Köche: 24,4 Prozent

Es gibt Kochroboter. Denen programmiert man die Rezepte ein, stellt ihnen die Zutaten hin und sie kochen tatsächlich ein annehmbares Mahl. Kosten und Nutzen stehen allerdings in keiner Relation.

Also Zukunftsmusik. Außer um den jetzt schon eklatanten Mangel an Köchen zu kompensieren. Weil die Nachfrage weit größer ist als das Angebot.

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Publizistik, Bibliotheks-, Übersetzungs- und verwandte Berufe: 23 Prozent

Nun, diese Jobs sind tatsächlich gefährdet. Sprachroboter können Standardtexte schreiben, Übersetzungsprogramme akzeptabel übersetzen.

Hier gilt: Ein zweites Standbein würde nicht schaden.

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Bauberufe: 21,1 Prozent

Wahr ist: Auch am Bau hält die Digitalisierung Einzug, Stichwort Building Integration Modeling (BIM). Das ist eine Software, die ein Bauprojekt von der ersten Architektenskizze bis zur Abrechnung der Professionisten begleitet. Jede Detailänderung wird preislich und terminlich sofort einkalkuliert und an alle Beteiligten durchgereicht.

Einmal mehr: Leute, freundet euch mit Software an.

Was die schweren handwerklichen Berufe anbelangt: Nur gut, wenn Roboter die körperlich schweren und gefährlichen Arbeiten übernehmen. Im Übrigen ist der Lehrberuf etwa des Maurers so gefragt, dass er jüngst (Stand Juli 2019) modernisiert wurde.

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Werbefachleute: 19,1 Prozent

Klassische Werbung: Ja

Online Werbung: ein klares Nein. Hier entstehen ständig neue, sehr gefragte Berufe wie etwa der des Growth Hackers. Und ja, der hat eine starke digitale Komponente. 

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Rechtsberufe: 18,4 Prozent

IBMs digitalen Rechtsguru Watson  können sich gerade ein paar New Yorker Kanzleien leisten. In Wien experimentieren die großen Citykanzleien mit Software, ohne die M&A und Due Diligences künftig gar nicht mehr möglich ist.

Und ja, es gibt Start-ups, die Rechtslösungen in bestimmten Bereichen wie Flugausfallentschädigungen anbieten, mit denen Anwälte nicht mehr nötig sind. Dem Gros der Rechtsberufe tut das aber nicht weh.

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Hotellerie, Gastronomie, Hauswirtschaft: 18,2 Prozent

Was war früher, Henne oder Ei? Die Nachfrage boomt, aber die Stellen können nicht besetzt werden. Dass man auf Rezeptions- oder Serviceroboter zurückgreift, ist eher Notwehr.

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Verwaltungsberufe im Öffentlichen Dienst: 16,2 Prozent

Hier wird tatsächlich eingespart, und gar nicht so wenig. Weit mehr, als diese Zeit vermuten lässt.  E-Government und Digitalisierungsoffensive legen nahe, dass tausende Babyboomer-Beamte, die nun in Pension gehen, nicht nachbesetzt werden.

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Security, Personenschutz, Wachberufe: 6 Prozent

Die Branche boomt. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

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Gesundheitsberufe mit Approbation: 5,7 Prozent

In Österreich herrscht akuter Ärzte- und Pflegermangel. In diesem Zusammenhang sind medizinischen Start-ups (MedTechs) eine Zukunftshoffnung, bei denen Künstliche Intelligenzen die Arbeit erleichtern. Die KI diagnostiziert, der Mensch kontrolliert.

 

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Soziale Berufe: 5,3 Prozent

Sehr gesucht, leider schlecht bezahlt.

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Lehrer: 3,1 Prozent

Wer erinnert sich noch an den E-Learning-Boom? Weil rein Online nicht viel weitergeht (nur fünf Prozent aller Online-Kurse werden abgeschlossen), probiert man es jetzt mit Blended Learning. Fakt bleibt: Ohne Menschen geht es nicht.

 

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Summa summarum: Die Digitalisierung verändert viele Berufe. Nicht anders, als es frühere industrielle Revolutionen taten. Die Vehemenz, die man aber vor drei Jahren befürchtete, bleibt sie uns bislang schuldig.

Weil sich das immer noch ändern kann: Dranbleiben und mitlernen. Ein Leben lang.

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Kommentar zu Artikel:

Drei Jahre danach: Welche Jobs die Digitalisierung wirklich gefressen hat

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