Archäologie der Arbeit: Berufe, die es nicht mehr gibt

Perückenmacher

Dieses Handwerk entstand schon im Altertum, als Menschen-und Tierhaare zur Demonstration von Macht eingesetzt wurden. Doch es etablierte sich erst in Frankreich zur Zeit Ludwigs XIV., als die Perücke in den Rang eines Kleidungsstückes erhoben wurde.

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Feldscher

So wurden seit dem 16. Jahrhundert die Chirurgengesellen des Heeres bezeichnet. Der Krieg galt als „hohe Schule der Chirurgie“. Den Gesellen oblag die wundärztliche Versorgung.

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Salamikrämer

„Salamini, da bin i! – Salamoni, geh doni (zur Seite)!“ Wer im vorvorigen Jahrhundert diesen unverwechselbaren Kaufruf hörte, wusste, worauf er sich freuen durfte: Wurst und Käse – verkauft von italienischen Salamucci.

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Bänkelsänger

Mit Gassenhauern und Bänkelliedern - oft von einer Bank herab gesungen - unterhielt diese Arbeiterschaft ihr Publikum. Thematisiert wurden Neuigkeiten des Tages und Naturereignisse, Unglücksfälle und sentimentale Romanzen in gereimter, greller und oft unflätiger Form.

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Lustfeuerwerker

Die Pyrotechniker des 14. Jahrhunderts. Sie widmeten sich der schönen Kunst der Verschwendung und unterhielten ihr Publikum mit wirbelnden Feuerrädern, berstenden Lustkugeln und Raketen. Feuerwerke wurden zur Kunstform und zum Höhepunkt der Huldigung an Könige und Fürsten.

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Aschenmänner

„An’ Oschn! An’ Oschn!“ So machten sich die Leute aus der Unterschicht bemerkbar, die diesem Beruf nachgingen. Sie besorgten das Einsammeln der Asche, als man in Wien ausschließlich noch mit Holz heizte. Mit einer Krücke holten die armselig gekleideten Männer die Asche aus dem Herd oder Ofen und füllten sie zum Verkauf in eine hölzerne Butte, die sie auf ihrem Rücken trugen.

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Planetenverkäufer

Als „Planeten“ wurden in den Wiener Straßen der Vorkriegszeit „Glücksbriefchen“ bezeichnet, die mehrere Lotterienummern enthielten, die der Käufer dann im Lotto setzen konnte. Die Attraktion bestand darin, dass die Briefchen von einer weißen Maus oder einem Papagei herausgezogen wurden.

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Fratschlerinnen

„Frech, unverschämt, zudringlich, betrügerisch, grob und lästersüchtig“ – das waren nur einige Charakterisierungen für die Marktfrauen auf den Plätzen und Straßen von Wien. Dort boten sie ihre Waren mit scharfem und reizbarem Mundwerk an. Das Wort „fratscheln“ bedeutet so viel wie abfragen, ausholen.

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Lohnkutscher

Was wären unsere Großstädte ohne ihre Fiaker? Schon damals wurden die Kutscher so bezeichnet. Doch stieß die Benennung nach einem französischen Heiligen oft auf Ablehnung. Die "rohe Volksklasse" sollte nicht mit einem solchem Namen assoziiert werden.

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Sesselträger

Die charakteristischen Figuren im Straßenleben von Paris, London und Wien entstammen dem 17. Jahrhundert. Zu zweit trugen sie mit Gurten und Stangen einen bedachten, mit Türen und Fenstern geschlossenen Sessel. Wer nicht rechtzeitig ihrem Warnruf auswich, wurde grob zur Seite gestoßen.

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Lebzelter

Backwerk aus Mehl und Honig, verfeinert mit Gewürzen, Mandeln und Nüssen. Das stellten die Lebküchler, wie sie auch genannt wurden, zur Freude von Jung und Alt her.

Lavendelweiber

Sie gehörten besonders im Sommer zum Wiener Straßenbild und fielen durch ihren melancholisch gesungenen Ruf auf: „Kaufts an Lawendel / Zwanz’g Groschen a Bischal Lawendel, / an Lawendel hauma do / wer kauft uns an o!“.

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Fasszieher

Die Gropper, wie sie auch genannt wurden, waren in den Orten an der Donau und ihren Nebenflüssen zu finden. Sie mussten angelieferte Fässer aus den Schiffen herausziehen oder sie dorthin verladen. In Wien erinnert ein Gassenname an dieses einstige Gewerbe.

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Abtrittanbieter

Als wandelnde Bedürfnisanstalten verdienten sich diese Männer und Frauen ihr Geld. Sie boten den Bürgern, die ihre Notdurft öffentlich verrichten mussten, einen Kübel. Und Schutz vor neugierigen Blicken.

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Schopper

Nein, das hat nichts mit "einkaufen" zu tun. Auch Schiffwerker, Schiffhacker oder Schöfmacher genannt, baute dieser Berufsstand an den Ufern verschiedenster Flüsse, Zillen und Plätten für den Gütertransport.

(c) IMAGNO/�sterreichisches Volkshoc (Anonym); Christian Brandstätter Verlag

Bartenhauer

Auch als Bartenwerper bezeichnet, stellten sie Hieb- und Stoßwaffen wie Streitäxte, Gläfen oder Roßschinder her.

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Lichtputzer

Im Barocktheater des 17.Jahrhunderts und auch später glich das Auditorium einem Festsaal, der wie die Bühne beleuchtet war. Jedes Theater beschäftigte jemanden, der mit der Aufsicht und Pflege der Beleuchtung betraut war und die Dochte der Kerzen mit Lichtputzscheren „putzte“.

Erstellt: 18. Jahrhundert

Silhouttenschneider

Die „schwarze Kunst“ beschäftige sich mit dem Zeichnen von an die Wand projizierten Schatten. Die Künstler malten die Darstellung mit schwarzer Tusche an oder schnitten sie aus schwarzem Papier aus. Das Handwerk stammt aus dem Orient und kam im 18. Jahrhundert in Frankreich wieder in Mode.

(c) IMAGNO/Austrian Archives (AA) (K. A.). Christian Brandstätter Verlag

Laternenträger

Die mobile öffentliche Beleuchtung: Seit dem 17. Jahrhundert boten diese Männer in europäischen Großstädten ihre Dienste an. Man mietete sie, um sich heimleuchten zu lassen. Oft fungierten sie zusätzlich als Spitzel oder hatten Kontakte zur Mafia.

(c) IMAGNO/Austrian Archives (AA) (K. A.), Christian Brandstätter Verlag

Verschwundene Arbeit

Wer mehr über vergangene Berufsfelder erfahren möchte, sollte sich Rudi Pallas Buch "Verschwundene Arbeit" aus dem Christian Brandstätter Verlag als Sommerlektüre gönnen. Die kuriosesten Berufe unserer Zeit finden Sie hier.

(c) Hutter, Christian Brandstätter Verlag
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