Expatriates: Österreicher sind unflexibel, aber ordentlich

Über ihre Erfahrungen in Österreich diskutierten Manager aus verschiedenen europäischen Ländern: positiv sei die hohe Lebensqualität, negativ hingegen die mangelnde Flexibilität und Arbeitswillen der Österreicher.

Podiumsdiskussion mit Expatriatesxibel
Podiumsdiskussion mit Expatriatesxibel
v.l.: Andrew Barton, Jochen Weichert, Ioana Dimitrova, Wilhelm Hübner und Barbara Wietasch

Am Mittwochabend lud die Organisation Headquarters gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Wien und dem Wirtschaftsforum der Führungskräfte zur Diskussion mit Expatriates ins Gewerbehaus der Wirtschaftskammer. Das Leben in Österreich hat für die Führungskräfte neben vielen schönen auch seine Schattenseiten. So werden die Österreicher als eher verschlossen beschrieben, es fiele dementsprechend schwer sich zu integrieren. Das betrifft auch Deutschsprachige. Von einem schwierigen Start in Wien berichtet etwa der Deutsche Jochen Weichert, Gründer der Marketing- und PR-Agentur BuzzDriver: "Erst in Österreich fühlt man sich so richtig als Deutscher. Hier wirst du gleich mit all den Klischees konfrontiert." Auch im Businessalltag hat Weichert Unterschiede gemerkt. So habe er erst lernen müssen Leute nicht direkt zu kritisieren, denn dann könne es schon passieren, dass die "zwei Monate nicht mehr mit dir reden." Das Sprachprobleme nicht ausbleiben, kann auch Barbara Wietasch, die Moderatorin des Abends, bestätigen. Als die Deutsche nach Tirol zog, hatte sie nicht damit gerechnet, dort absolut niemanden zu verstehen.

Wille zu Top-Leistungen fehlt


In Wien könne man sehr gut auch nur mit Englisch durchkommen, so Ioana Dimitrova von der UniCredit Bank Austria. Die Bulgarin lobt die Internationalität der Bundeshauptstadt. Anders als Weichert will sie aber bei ihrer direkten Art bleiben und hofft damit vielmehr ihr Umfeld ändern zu können. Vergleichsweise gute Erfahrungen habe sie mit der heimischen Bürokratie gemacht, da sei alles schnell erledigt gewesen. Lob findet sie auch für die Pünktlichkeit und Ordentlichkeit im Vergleich zum "Chaos" in Italien oder der Ukraine. Bevor sie hierher übersiedelte, glaubte sie allerdings Österreicher seien faul. Das stimme aber nicht, denn "wenn ihr arbeitet, dann arbeitet ihr!". Etwas anders sieht das Softwareberater Andrew Barton von Hewlett-Packard. Der Ire findet es schwierig junge und engagierte Techniker in Österreich zu finden, die auch 50 oder 60 Stunden die Woche arbeiten wollen. "Es fehlt die Motivation an die Spitze kommen zu wollen, mehr als andere zu leisten", meint Barton. Ebenso schwierig sei es österreichische Experten zu finden, die bereit sind ins Ausland zu gehen.

Österreicher unflexibel


Das kann auch der der Österreicher Wilhelm Hübner bestätigen. Der erfahrene Personalleiter kritisierte die mangelnde Flexibilität der Österreicher. So sei er etwa für seinen früheren Arbeitgeber Magna nach Russland gegangen, weil niemand anderer aus dem Unternehmen dazu bereit war. Dabei habe er von den Erfahrungen im Ausland persönlich wie karrieretechnisch stark profitiert. Hübner findet es überhaupt schwierig gut ausgebildete Leute zu finden. Schuld daran sei vor allem das heimische Schulsystem, dass sich zu sehr auf Fehler konzentriere und zu wenig auf die Stärken des Einzelnen. Einig waren sich hingegen alle Diskutanten über die hohe Lebensqualität und die gute Infrastruktur in Wien.

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