Interview: »Auch Bachelor zum Anwalt zulassen«

Örak-Präsident Wolff: Doktorat "ein Atout", Rechtsanwaltsprüfung "verbesserungswürdig".

Interview Auch Bachelor Anwalt
Interview Auch Bachelor Anwalt
(c) Niko Formanek

„Wir werden auch einen Bachelor zum Anwaltsberuf zulassen, wenn er ein generalistisches Studium mit den notwendigen Inhalten vorweisen kann“, sagt Rupert Wolff im „Presse“-Gespräch. Der neu gewählte Präsident des Österreichischen Rechtsanwaltskammertags (Örak, siehe Info-Box) bezieht sich damit auf die aktuell gültige Standesordnung, womit Bachelor-Absolventen von juristischen Studien, die zumindest vier Jahre dauern, Rechtsanwälte werden können. Jungen Juristen empfiehlt der oberste Standesvertreter dennoch zu dissertieren.

„Ein Doktorat ist sicherlich noch immer ein Atout“, sagt Wolff. Daneben rät der Örak-Präsident den jungen Kollegen auch dazu, postgraduale Ausbildungen – konkret nennt er LL.M.- sowie MBA-Programme – zu absolvieren. „Fremdsprachen sind besonders wertvoll für ein Curriculum“, sagt der Rechtsanwalt. Im Allgemeinen plädiert der Standesvertreter für eine sehr breite juristische Ausbildung – auch bei Konzipienten. „Die Ausbildung zum Generalisten ist wichtig. Zu Spezialisierungen sollte es erst später kommen“, so Wolff: „Der Klient spezialisiert den Anwalt sicher mehr als er sich selbst.“

Die vermeintlich negativen Folgen einer zu frühen Spezialisierung zeigen sich auch bei der Rechtsanwaltsprüfung: Dort gebe es, so der Standesvertreter, Probleme vor allem dort, „wo zu sektorell gearbeitet werde“. Die Prüfung selbst sei zwar „wesentlich und nicht verzichtbar“, aber sicherlich „noch verbesserungswürdig“.

Zu seinen Zielen zählt der neue Örak-Präsident, das Bild der Justiz zu verbessern. Dieses sei aktuell „angeschlagen“: „Wir wollen die Justiz zur besten in der EU machen“, formuliert Wolff. Der Stand der Rechtsanwälte werde hingegen in der Bevölkerung „durchaus geschätzt und respektiert“.

Ein Dorn im Auge ist dem Rechtsanwalt allerdings die Tatsache, dass es nur wenige weibliche Kollegen gebe. Während die Frauenquote bei den Anwärtern noch 45 Prozent beträgt, sind nur rund 20 Prozent der Anwälte Frauen. Hier möchte Wolff durch Erleichterungen beim Mutterschutz Abhilfe schaffen. Noch in diesem Jahr soll umgesetzt werden, dass größere Kanzleien sich die Rechtsform einer GmbH & Co KG geben können. „Ich suche den Dialog mit Großkanzleien, möchte sie einladen, mitzuarbeiten.“

Zur Person

Rupert Wolff wurde letzten Samstag zum Präsidenten des Österreichischen Rechtsanwaltskammertags (Örak) gewählt. Der 54-jährige Salzburger folgte damit Gerhard Benn-Ibler nach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2011)

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