Bundesheer will zehn Prozent Soldatinnen

Stellenaufbau. Das Heer stockt auf und will seinen Frauenanteil erhöhen. Akademikerinnen, Einsteigerinnen und Lehranfängern verspricht es Karrieren auch abseits des Harte-Männer-Klischees.

Schließen
Pixabay

Bis 2020 will das Bundesheer 9800 neue Jobs schaffen. Mit einem Subziel: Es will weiblicher werden. Daher versucht das Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport (BMLVS), Frauen die Karriere beim Heer schmackhaft zu machen.

Mit gutem Grund: „Gemischte Teams funktionieren besser. Das schlägt sich im Betriebsklima, besonders im Umgangston nieder“, sagt Roswitha Mathes, stellvertretende Gender-Mainstreaming-Beauftragte im BMLVS.
Noch ist der Frauenanteil vernachlässigbar gering. Lediglich 2,4 Prozent der „Militärpersonen“ (Soldaten) in fixem Dienstverhältnis sind weiblich. Bei Soldaten in Ausbildung beträgt der Frauenanteil bereits 15,8 Prozent.
Das sei speziellen Recruitingprogrammen zu verdanken, sagt Mathes, dank derer 2016 um 80 Prozent mehr Frauen als im Jahr zuvor für eine Karriere beim Heer zu begeistern waren.

Festgeschriebene Quote gäbe es keine, man wünsche sich aber zehn Prozent Frauen unter den Soldaten. Sie dürften sich nicht scheuen, ganz im Sinn des Harte-Männer-Images auch einmal durch den Matsch zu robben.

Abseits des Klischees

Das Heer sucht aber auch Frauen für „zivile“ Jobs. In der Zielgruppe der Hochschulabsolventinnen wirbt es bundesweit um künftige Juristinnen, Psychologinnen, Ärztinnen oder Technikerinnen. Berufseinsteigerinnen haben Aussichten auf Stellen als Militärpolizistinnen, Sanitäterinnen oder Hundeführerinnen.

Aktuell bildet das Bundesheer auch 227 Lehrlinge aus. Gut ein Drittel davon (37,9 Prozent) sind weiblich. Sie lernen etwa Werkstoffprüferin (derzeit ein weiblicher Lehrling), Mechatronikerin (zwei von zehn Lehrlingen), KFZ-Technikerin (sieben von 25), Luftfahrzeugmechanikerin (fünf von 27) oder Sattlerin (ein weiblicher Lehrling).

Um seinen Frauenanteil zu erhöhen, bedient sich das Bundesheer verschiedener „wehrpolitischer Maßnahmen zur Personalgewinnung“:

Direktes Recruiting. „Informationsoffiziere“ gehen in medias res und sprechen in Schulen, bei Berufsmessen oder anderen Veranstaltungen junge Frauen direkt an.

Girls' Day. Am 27. April können Besucherinnen aktive Soldatinnen und Soldaten kennenlernen und sich deren Berufsalltag aus erster Hand schildern lassen.

Girls' Camp. Grillen, Orientierungsmärsche, übernachten im Zelt: Was wie der Ausflug einer Pfadfindergruppe klingt, lässt junge Frauen ab 17 Jahren drei Tage lang in die Rolle von Soldatinnen schlüpfen.

Mentorinnen für Rekrutinnen

Frauen haben beim Bundesheer denselben Tagesablauf (41-Stunden-Woche) und dieselben Karrieremöglichkeiten wie ihre männlichen Kollegen. Lediglich bei der körperlichen Eignungsprüfung zur Soldatin werden sie anders bewertet. Diese Unterscheidung ist Roswitha Mathes wichtig: „Für Frauen gelten andere Leistungslimits als für Männer.“ Im Klartext bedeutet das weniger Liegestütze, weniger Klimmzüge und eine abgespeckte Laufprüfung.

Für die Dauer ihres Ausbildungsdienstes stehen den künftigen Soldatinnen erfahrene Kolleginnen als Mentorinnen zur Seite. Damit will man ihnen einen wohligen Platz in der (Noch-)Männerdomäne gewährleisten.

 

Auf einen Blick

Bis 2020 will das Österreichische Bundesheer 9800 neue Jobs schaffen. Bei Soldaten strebt es zehn Prozent Frauenanteil an. Frauen haben gleiche Karrierechancen, müssen aber nur einen abgespeckten körperlichen Eignungstest absolvieren. Aber auch in „zivilen“ Positionen will das Heer weiblicher werden: in Akademikerjobs (Juristin, Psychologin, Ärztin, Technikerin),
in Einsteigerpositionen und in zahlreichen Lehrberufen.

 

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Bundesheer will zehn Prozent Soldatinnen

      Schließen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.