Fremdschämen

Kolumne "Führungsfehler". Im Grunde genommen war der Geschäftsführer ein netter Kerl. Er ließ bloß kein Fettnäpfchen aus.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Vielleicht lag es an seiner Kinderstube. Wie sonst kam der Geschäftsführer auf die Idee, auf einer Veranstaltung an einen Tisch mit lauter Anzugträgern zu treten und den einzigen Mann mit Hemd und Schwielenhänden laut zu fragen: „Und Sie, sind Sie überhaupt ein Studierter?“ Der Mann lief prompt rot an, fühlte sich ertappt und bloßgestellt. Dabei suchte unser Geschäftsführer doch nur einen Gesprächseinstieg. (Nebenbei: Er selbst war kein Akademiker.)

Oder es lag an seiner Angst vor dem Älterwerden. Auf derselben Veranstaltung drehte sich ein Tischgespräch dreier graumelierter Mountainbiker um kleinere körperliche Einschränkungen, die sie früher nicht gekannt hatten. Unser Geschäftsführer lauschte ihnen eine Weile, schüttelte dann den Kopf und stieß den Stoßseufzer aus: „Oh Gott, hoffentlich werde ich nie 40.“ Da war er 39.

Am schlimmsten aber traf es seine Assistentin, eine reife Dame jenseits der 50 (was ihm stets ein Dorn im Auge war). Beim großen Quartalsmeeting präsentierte die Werbeagentur vor dem versammelten Management gerade die neue Radiokampagne, als er quer durch den Raum in ihre Richtung rief: “Frau Meier - hören Sie überhaupt noch Ö3?“

 

Das Management. Unendliche Möglichkeiten für Führungsfehler. Wenn Sie einen solchen loswerden wollen, schreiben Sie an: andrea.lehky@diepresse.com

Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Weitere "Führungsfehler" finden Sie hier.

 

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