Vickerl schämt sich

Kolumne „Führungsfehler“. Ein Großraumbüro, gefüllt mit goldenem Wienerherz. Ein Kundenbetreuer ausländischer Herkunft. Man ließ ihn mit den grauslichen Kunden telefonieren.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Er konnte Deutsch. Natürlich konnte er es. Aber nicht so gut wie die Wiener. Wenn es bei einem Kundentelefonat haarig wurde, fehlten ihm manchmal die Worte. Dann kam er ins Stammeln. Dann spürte er, dass die anderen lauschten. Dann wurde er noch nervöser. Und dann hörte er die Stimme der Chefsekretärin, fünf Tische weiter, zuerst ihr kopfschüttelndes „tsss tsss“, dann „der macht mich wahnsinnig, wie der telefoniert“, dann „nein, der kann das einfach nicht“.

Sie zischte laut genug, dass der Chef die hören musste. Irgendwann kam er aus seinem Zimmer, die Sekretärin deutete mit dem Kopf auf den Kollegen und rollte mit den Augen. Der Chef zwinkerte ihr zu und stapfte zu ihm. „Na, Vickerl, bist nervös?“ dröhnte er und klopfte ihm auf die Schulter.

Vickerl schämte sich. Die anderen kicherten.

Vickerl blieb nicht lange im Unternehmen.

 

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Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle "Führungsfehler" finden Sie hier.

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