Warum sie kein Weihnachtsgeschenk bekam

Kolumne "Führungsfehler". Eine Apotheke mit acht Angestellten, ein reiner Frauenhaushalt. Da geht es manchmal emotional zu.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Chefin fühlte sich als Big Mama. Ihre Mitarbeiterinnen waren für sie die Kinder, die sie nie hatte. Auf sie projizierte sie alle Gefühle, alle Erwartungen.

Und wie das halt so ist mit Halbwüchsigen, manchmal mucken sie auf. Dann gab es postpubertären Hick-Hack, bei dem die Kunden schon mal fluchtartig den Laden verließen.

Dann passierte die Sache mit dem Weihnachtsgeschenk. Über die Jahre hatte es sich eingebürgert, dass der Chefin ein gemeinschaftliches Packerl überreicht wurde. Nur heuer nicht. Die Stimmung war grade wieder mal sehr emotional und keine der Angestellten hatte Lust gehabt, ein Geschenk zu organisieren. Sie vergaßen schlichtweg.

Der Chefin konnte kaum ihre Tränen verbergen. Gleich nach den Feiertagen nahm sie sich eine Angestellte nach der anderen zur Brust.

Sie fragte nicht: Was läuft schief bei uns? Was sollten wir ändern? Sie fragte: Warum habe ich kein Weihnachtsgeschenk bekommen? Die Mitarbeiterinnen fühlten sich wie die schlimmen Kinder, die ihre Mama schwer enttäuscht hatten.

Der Riss war erst nach einem riesigen Osterstrauß gekittet.

 

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Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle "Führungsfehler" finden Sie hier.

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