Führungsfehler

Die Unwillkommenen

Kolumne "Führungsfehler". Wir bekommen Verstärkung, verkündete der Schichtleiter seiner Mannschaft. Ein paar Zeitarbeiter für die zweite Schicht. Beachtet sie nicht weiter.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Man ahnt es schon: Der Schichtleiter hielt nicht viel von den externen Kollegen. Er hätte lieber die Stammmannschaft aufgestockt. Doch gegen Produktionschef und Einkäufer (es ging ums Geld) konnte er sich nicht durchsetzen. Seine Strategie daher: Die Zeitarbeiter weg-ignorieren.

Er zeigte ihnen gerade das Notwendigste und ließ sie ansonsten im Regen stehen. Seine Leute taten es ihm gleich. Keine Einführung in die informellen Regeln, kein Mitnehmen in die Kantine - sie verrieten nicht einmal, wo die Kaffeemaschine stand.

Dafür dokumentierten sie jeden Fehler (ein wenig aufgebauscht natürlich) und meldeten ihn „nach oben“. Der Produktionschef durchschaute wohl die Intention. Ihm taten die Zeitarbeiter leid. Doch auf Dauer konnte er sich den Beschwerden nicht verschließen. Vorzeitig beendete er den Vertrag mit dem Dienstleister und schickt die Zeitarbeiter heim.

„Und was jetzt?“, fragte der Schichtleiter. „Bekomme ich jetzt mehr Leute?“

„Schmink dir das ab“, entgegnete der Produktionschef. „Du deckst die Schicht mit den vorhandenen Leuten ab.“

Schon halb im Gehen wandte er sich noch mal um. „Und, nur damit das klar ist: ohne Überstunden natürlich.“

 

Das Management. Unendliche Möglichkeiten für Führungsfehler. Wenn Sie einen solchen loswerden wollen, schreiben Sie an: andrea.lehky@diepresse.com

Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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