Führungsfehler

Führungsfehler oder kein Führungsfehler?

Kolumne "Führungsfehler". Eine Reinigungsfirma mit erstaunlich gutem Betriebsklima. Dafür sorgt der Chef, der sich als Ersatzvater seiner Mitarbeiter sieht. Wer aus einer anderen Firma kommt, denkt oft, im Paradies zu sein.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wer Sorgen hat, geht zum Chef. So mancher ist ihm ewig dankbar für einen unbürokratischen Vorschuss oder ein Darlehen, dass er mit Überstunden abarbeiten darf.

Und dann kommt einer, der nach der Scheidung am Boden ist: Familie weg, Haus weg, Job weg, dafür jede Menge Schulden. Der Chef gibt ihm – trotz laufender Lohnpfändung, eine Seltenheit heutzutage! – einen Job. Er vermittelt ihm ein Zimmer in einer günstigen WG. Gibt ihm ein Firmenhandy, obwohl das nicht üblich ist. Und er gewährt ihm ein Darlehen, damit er Möbel kaufen und seinen Kindern Unterhalt zahlen kann.

Eines Tages kommt der Arbeiter nicht zur Arbeit. Stattdessen geht er zur Arbeiterkammer. Was ihm der Chef als Darlehen gewährt hat, sieht er nun als Lohnbestandteil. Er will mehr. Der Chef hat nämlich einen Fehler gemacht: Er hat sich zwar die Zahlungen bestätigen lassen, aber keinen formellen Darlehensvertrag aufgesetzt. 

Der Arbeiter klagt „ausstehende Zahlungen“ ein und bekommt Recht.

Der Chef schüttelt den Kopf. Wird er nun für seine Menschlichkeit gestraft? Für sein Vertrauen? Sein Anwalt sagt ja.

Sein Herz sagt nein. Er wird auch in Zukunft seinen Arbeitern vertrauen. Auch wenn er damit eine Stange Geld riskiert.

 

Das Management. Unendliche Möglichkeiten für Führungsfehler. Wenn Sie einen solchen loswerden wollen, schreiben Sie an: andrea.lehky@diepresse.com

Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle "Führungsfehler" finden Sie hier.

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