Kolumne

Mütter und Töchter

Der dieswöchige Führungsfehler ist eine Post-Muttertags-Geschichte: Die Töchter wären ja ganz glücklich. Wenn da nicht die Mütter wären.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Zwei Geschäftsfrauen treffen sich, die einzigen Frauen in einem taffen Männerbusiness. Sie mögen sich auf Anhieb und beschließen zusammenzuarbeiten. Das funktioniert reibungslos. Beide wissen, dass sie dreimal so hart sein müssen wie jeder Mann. Das sind sie auch. Sie legen Wert auf ihren Ruf. Sie zeigen niemals Schwäche. Sie steigen jederzeit und mit jedem in den Ring.

Abe da gibt es da noch die beiden Muttis, ältere Damen, die sich ebenfalls kennen. Beim Tee weinen sie sich aus, wie hart ihre Töchter doch arbeiten. Wie überlastet die armen Mädchen sind. Und dass sie doch leiser treten sollen. Sonst enden sie noch im Burn-out.

Wären das nur Tee-Gespräche geblieben, es wäre nichts passiert. Aber sie jammerten auch vor anderen. 

So schufen sie für ihre beiden "Mädels" ein Parallelimage, das sich bald als Belastung erwies. Denn nun mussten sie beweisen, dass sie nicht schwach und hilflos und überarbeitet waren.

Das Karussell dreht sich bis heute. Die Mütter jammern, die Töchter hackeln, mehr und mehr. Und vergessen darüber, dass sie eigentlich ganz zufrieden sind.

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