Führungsfehler

Schönheit muss leiden

Die Kandidatin war bildschön, klug und schlau. Es half ihr nichts.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Ein Interview nach dem anderen, eine Absage nach der anderen. Eingeladen wurde sie immer sofort. Schon auf dem Bewerbungsfoto stach ihre Schönheit ins Auge. Beim Gespräch waren immer auffallend viele Personalistinnen im Raum. Sie spürte die Blicke.

Dann aber folgte – nichts. Keine Zusage, keine Absage. Nichts.

Die Kandidatin war nicht auf den Mund gefallen. Der nächste Recruiter war – zufällig – ein Mann. Sie sprach ihn direkt an. Wissen Sie, sagte sie, ich führe viele gute Interviews. Ich merke selbst, dass ich alles richtig mache. Trotzdem bekomme ich keine Zusage. Warum?

Der Recruiter wand sich. er wäre nur für eine erkrankte Kollegin eingesprungen. Die Kandidatin insistierte. Und quetschte einen Rattenschwanz an Vorverurteilungen aus ihm heraus. Er hatte seine Kolleginnen reden gehört: Sie war zu schön. Schöner als andere. So etwas wollen wir hier nicht. Die Männer würden nicht mehr arbeiten.

Sie müssen das verstehen, sagte der Recruiter.

Bei ihrer nächsten Bewerbung überging sie die Personalabteilung. Sie sprach einen Vorstand direkt an, überzeugte mit ihrer Intelligenz und bekam die Stelle. Ganz ohne HR.

 

 

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