Führungsfehler

Das Wunschkind

Die Eltern liebten ihre Tochter über alles. „Du kannst werden, was immer du willst“, sagten sie ihr.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Nach der Matura stand ihr die Welt offen. Sie begann mit einem Gap-Year und einer Asienreise. Zur Selbstfindung und zur Horizonterweiterung.

Als sie zurückkehrte, inskribierte sie Koreanologie. Weil es ihr in Südkorea am besten gefallen hatte. Nach zwei Semestern wurde das allerdings echt anstrengend. Sie gründete mit zwei Freundinnen ein Start-up, eine vegane Suppenlieferei. 

Ein Jahr später machte ihr das keinen Spaß mehr und sie bekniete ihre Eltern, nach Neuseeland gehen zu dürfen. Sie ergatterte ein Studentenvisum, für das sie allerdings irgendetwas inskribieren musste. Bloß was? Die Eltern finanzierten Studium, Wohnung und Reise.

Um es kurz zu machen: Die junge Frau ist heute 27 Jahre alt. Sie hat keinen Abschluss, weil sie alles, auch Neuseeland, bald abbrach. Sie hat keine Arbeitserfahrung, weil sie jeder Job bald langweilte. Oder weil sie Streit mit dem Chef „nicht nötig hat“.

Sie hat aber auch keinen Plan. Wer alles werden kann, was immer er will, wird leicht von der Fülle der Möglichkeiten erschlagen. Deshalb legt er sich einfach nicht fest. Ein bisschen hier, ein bisschen da, aber nichts mit Committment. Am Ende bleibt nichts Greifbares.

Aber keine Sorge, unsere junge Frau hat schon eine Idee: Sie könnte ja ein Baby bekommen.

 

Das Management (und fällt Erziehung nicht auch unter Management?). Unendliche Möglichkeiten für Fehler. Wenn Sie einen solchen loswerden wollen, schreiben Sie an: andrea.lehky@diepresse.com

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