Checklisten für Manager

Kolumne "Hirt on Management". Folge 46. Wozu das Rad neu erfinden?

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In unserer Rubrik „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen Fragen von Managern zu herausfordernden Situationen und kritischen Entscheidungen.

Frage:

Sollen Manager Checklisten einsetzen?

Michael Hirt antwortet:

Ich finde es immer wieder beeindruckend, und auch erschreckend, mit wie wenig Ernsthaftigkeit sich die meisten Manager mit ihrer Profession beschäftigen.

Management, professionell ausgeübt, ist der Schlüssel zum Erfolg und Wohlstand unserer Gesellschaft. Gutes Management wird nicht nur in Unternehmen, sondern auch im Gesundheitssektor, der Forschung, dem Bildungssektor und weiß Gott, in der Politik benötigt.

Freudiges Dillettieren
Trotzdem scheinen viele Manager zu glauben, dass Management mehr mit einer freien Kunstform, als mit professionell auszuübender Wissensarbeit, zu tun hat. Unterstützt wird dieses freudige Dilletieren von einer ganzen Branche von Beratern und so genannten "Experten", die immer wieder neue, meistens einander widersprechende, Erfolgsrezepte und andere Wunderwässerchen verkaufen.

Besser: Best-Practices
Dabei gibt es für fast alle Bereiche des Managements weltweit anerkannte Best-Practices, mit denen man, falls man sich die Mühe machen würde, sie zu Hand zu nehmen, als Manager seine Performance innerhalb kürzester Zeit dramatisch verbessern kann.

Checklisten für Manager
Ein ganz simpler Weg, um das zu tun, ist die Verwendung von Checklisten. Es gibt so viele Managemententscheidungen, die durch die Verwendung von Checklisten, schneller, besser und mit weniger Fehlern getroffen werden können, dass man sich nur wundern kann, warum alle immer das Rad neu erfinden, anstatt auf bestehendes Wissen aufzubauen, für das andere bereits geschwitzt haben.

Sogar die Ärzte haben es entdeckt
Diese Erkenntnis hat übrigens, zum Beispiel in der Medizin, in den letzten Jahren Furore gemacht. Ich war letztens bei einem Vortrag eines Chirurgen eines großen deutschen Krankenhauses, der uns stolz berichtet hat, wie die Anzahl der Operationsfehler in den letzten Jahren durch die Verwendung von Checklisten, dramatisch gesenkt werden konnte.

Mir ist ehrlich gesagt, bei diesem Vortrag der kalter Schauer über den Rücken gelaufen, weil ich schockiert war, dass hier etwas in den letzten Jahren umgesetzt wird, was eigentlich schon seit ca. 50 Jahren bei jedem einzelnen Arzt und in jedem Krankenhaus, umgesetzt sein sollte. Da freut man sich auf den nächsten Arzttermin…

Warum Manager und Ärzte (und wahrscheinlich viele andere auch) so lange brauchen um bekanntes Wissen, professionell umzusetzen, kann ich nur mutmaßen.

Das Grundübel des Managements
Möglicherweise hängt das mit einem Grundübel zusammen, das bereits Peter Drucker als Wurzel für Unprofessionalität angeprangert hat: Arroganz. Man denkt sich einfach: "Checkliste, so ein Blödsinn, ich brauch doch so was nicht, ich kann mein Zeug auch so!". Hoffentlich denkt sich das ihr Chefpilot nicht, bei ihrem nächsten Flug.

Das Wichtigste in Kürze

Es gibt es für fast alle Bereiche des Managements weltweit anerkannte Best-Practices, mit denen man, falls man sich die Mühe machen würde, sie zu Hand zu nehmen, als Manager seine Performance innerhalb kürzester Zeit dramatisch verbessern kann.

 

In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 25. Mai 2017 zur Frage: Der Manager als Künstler?

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

 

Dr. Michael Hirt, geboren 1965 in Wien, ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu schnellen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, Kanada (McGill) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

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