Managementwahnsinn - Wahnsinnsmanagement

Die fünf besten Ausreden

Kolumne "Hirt on Management": Folge 107. Mit welchen fünf Ausreden Sie jede Schuld von sich weisen, wenn einmal etwas schief geht.

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ schreibt Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen über herausfordernde Situationen und kritische Entscheidungen für Manager.

Ich bin ein großer Fan der britischen Erfolgs-TV-Serie „Yes, Minister“, aus den Achtzigern. Die Sitcom schildert den titanenhaften Kampf zwischen einem ehrgeizigen britischen Minister und seinem machiavellistischen, beamteten Staatssekretär.

In einer Folge beschreibt der Staatssekretär die 5 Standard-Ausreden, die Sie einsetzen können, wenn etwas schief geht. Und daran möchte ich mich bei der heutigen Kolumne inspirieren und die Ausreden in den Kontext der Unternehmenswelt zu setzen:

Es muss geheim bleiben

„Es gibt eine absolut zufriedenstellende Erklärung für die Ereignisse, aber die Vertraulichkeit verbietet es diese mit zu teilen.“ Kann man auch im Unternehmen anwenden, in dem man darauf hinweist, dass ein Projekt von ganz oben kommt, zum Beispiel einem mächtigen Vorstand zugeordnet ist und niemand dumme Fragen stellen soll.

Mangelnde Ressourcen

„Das Projekt ist gescheitert, obwohl es eine gute Idee war, weil zu wenig Budget und Mitarbeiter für die Umsetzung zur Verfügung gestellt wurden.“ Im Unternehmen kann man darauf hinweisen, dass alle Beteiligten guten Willens waren und ihr Bestes für die Umsetzung gegeben haben, nur leider die Finanzabteilung den Geldhahn abgedreht hat.

Ein wichtiges Experiment

„Das Projekt war ein wichtiges Experiment, dass jetzt abgebrochen wurde, aber wertvolle Informationen und Erkenntnisse gebracht hat.“ In Zeiten wo stolz heraus posaunt wird, dass bei Google 50 % der Projekte scheitern, ist diese Ausrede wunderbar und eigentlich ein Allround-Tool.

Wir hatten nicht alle Informationen

„Die Vereinbarung wurde geschlossen, bevor wichtige Informationen bekannt waren und so etwas kann jetzt nicht mehr passieren.“ Kann auch im Unternehmenskontext funktionieren, wenn man zwischen den Zeilen andeutet, dass einem von anderen Beteiligten, wichtige Informationen perfide vorenthalten wurden.

Der Sündenbock

„Es war ein unglückliches Verhalten einer Einzelperson, das zum Scheitern geführt hat und der Fehler kann in Zukunft nicht mehr passieren, weil man sich von der Person getrennt hat.“ Die Schuld zu personifizieren und auf einem Sündenbock abzuladen, der dran glauben muss, hat sich seit tausenden von Jahren bewährt und ist weiterhin, auch in Unternehmen, eine zuverlässige Ausrede.

Das Wichtigste in Kürze

„Das Projekt war ein wichtiges Experiment, dass jetzt abgebrochen wurde, aber wertvolle Informationen und Erkenntnisse gebracht hat.“ und „Es war ein unglückliches Verhalten einer Einzelperson, das zum Scheitern geführt hat und der Fehler kann in Zukunft nicht mehr passieren, weil man sich von der Person getrennt hat.“ Sind sicher die derzeit vielversprechendsten Ausreden im geschäftlichen Kontext. Die erste hat den höheren Hippness-Factor, die zweite ist erzkonservativ aber über Jahrtausende erprobt.

 

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com
Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 26. September 2019 zur Frage: Kann in allen Bereichen der Gesellschaft, sinnvoll nach wirtschaftlichen Grundsätzen gehandelt werden?

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

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