Die permanente Wiedergeburt

Warum Abschauen das neue „Sich-selbst-Erfinden“ ist.

Daniel Düsentrieb, das ist ein Erfinder. Sich selbst erfand er nie neu. Er blieb seit seiner „Geburt“ 1952 der Alte. Ob das angesichts manch seiner Ideen so gut ist, bleibt dahingestellt.

Außerhalb der Disney-Welt stehen Unternehmen und Menschen unter Druck, sich ständig „selbst neu zu erfinden“, die permanente Wiedergeburt zu leben und mitzuhelfen, eine gewaltige Sprechblase zu füllen: Wer ein neues Produkt anbietet, der hat sich scheinbar bereits selbst neu erfunden.

Etwas zu erfinden ist einmalig, etwas neu(erlich) zu erfinden daher unmöglich. Menschen aber können sich in unbekannten Situationen neu orientieren. Sie können sich selbst finden, neue Seiten an sich entdecken. Doch die totale Veränderung, die „sich selbst neu erfinden“ impliziert, ist unrealistisch. Sie hieße, alles Bisherige zu zerstören. Meist müssen wir zufrieden sein, wenn kleine Schritte gelingen.

Wie hilflos selbst die Sich-selbst-neu-Erfinden-Gurus sind, zeigen ihre Hinweise, sich im Internet Ideen zu holen, frei nach Düsentrieb: „Besser gut abgeschaut als schlecht selbst gebaut.“ Suchenden muss klar sein: Alles, was im Internet zu finden ist, hat irgendwer bereits erfunden. „Sich selbst neu erfinden“ geht eben leider nicht.

E-Mails an: michael.koettritsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2014)

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