Lasst mich ruhig dumm sterben

Warum zwar viel geredet, aber selten etwas gesagt wird.

Es ist nicht besonders modern, etwas „zu sagen“. Wer sich mitteilen will, wählt andere Verben. Es wird getextet, gepostet, getwittert und vor allem „kommuniziert“. Kommunikation, das sagen unzählige Studien, sei verantwortlich für die Begeisterung und das Engagement der Mitarbeiter und letztlich entscheidend für die Produktivität eines Unternehmens.

Unangenehm ist es, wenn man als Mitarbeiter feststellt: „Das wurde mir so nicht kommuniziert.“ Wer sich dieser Sprechblase bedient, lässt meist Entrüstung mitschwingen, nach dem Motto: „Ja, ja, lasst mich hier ruhig dumm sterben.“ Mitunter aber drückt es nichts als das umformulierte Eingeständnis aus, „Ich habe keine Ahnung, ich bin nicht auf dem Laufenden“. Oder, wie es im Büro-Englisch heißt, „Ich bin nicht ,in the loop‘“.

Wem etwas „so nicht kommuniziert“ wurde, der sollte eine Schleife ziehen und das Thema bereden. Doch auch hier gilt Vorsicht: Oft wird bei diesen Gelegenheiten mehr geredet als tatsächlich gesagt. Wie gesagt, „sagen“ ist nicht sonderlich modern.

In der Zwischenzeit basteln andere schon an der nächsten Mitteilung. Ganz geschäftig heißt das dann: „Wir adressieren das gerade.“

E-Mails an: michael.koettritsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2014)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Lasst mich ruhig dumm sterben

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.