Es geht noch viel besser als gut

Warum Experten nicht immer eine Expertise zur Hand haben.

Dass sich für das englische Wort Marketing keine deutsche Entsprechung etablieren konnte, überrascht wenig: Stimmung und Werbung zu machen beherrschen die englischsprachigen Kollegen ganz einfach am besten. Sie haben für die Fülle an überschwänglichen Eigenschaftswörtern eine eigene Bezeichnung gefunden: Extreme Adjectives. Eigenschaftswörter, die sich nicht mit einem „very“ nuancieren lassen: „Sehr lustig“ wird zu „hilarious“, „sehr groß“ zu „huge“ oder „sehr spannend“ zu „fascinating“.
In diesem Überschwang wimmelt es im Englischen nur so vor „experts“. Längst haben die Experten auch im Deutschen Einzug gehalten. Ganz unabhängig davon, ob sie selbst ernannt oder (von anderen Experten) anerkannt sind. Experten verfügen – möchte man meinen – über Expertise. Klingt logisch, ist aber eine Sprechblase. Denn Expertise ist nicht gleich Fachverstand, sondern bloß ein Gutachten.
Das Gutachten soll hier keinesfalls schlechtgeredet werden. Im Vergleich zur Expertise verkauft es sich allerdings unter Wert. Denn im Englischen würde es sich nie nur mit dem Wortbestandteil „gut“ zufriedengeben. Stattdessen käme ein Extreme Adjective zum Einsatz – awesome, nicht wahr?

E-Mails an: michael.koettritsch@diepresse.com

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