Halbe Sache: Das neue Halbe-halbe

Warum Work und Life nicht ausbalanciert werden können.

Work-Life-Balance. Von dieser Sprechblase haben viele schon gehört. In der Theorie zumindest. In der Praxis weiß ja niemand so genau, warum das Leben gerade dann pausieren soll, wenn gearbeitet wird.

Erstaunlich, dass sich ausgerechnet Unternehmen auf diesen Terminus einlassen, der bereits Mitte der 1980er-Jahre geprägt wurde. Mehr noch: Sie schmücken sich immer noch damit und flechten ihn nach wie vor in ihre Corporate-Health- und Employer-Branding-Auftritte ein. Offen bleibt in aller Regel, wie diese Balance im Detail aussieht: Heißt das halbe-halbe zwischen Arbeit und Freizeit (was mit „Life“ offensichtlich gemeint ist) – also noch mehr Arbeit? Wird täglich abgerechnet oder in längeren Durchrechnungszeiträumen?

Unter dem Strich bleibt also jeder selbst für sich verantwortlich, sein Leben (bestehend aus verschiedensten bezahlten und unbezahlten Beschäftigungen) zu organisieren: Kein Unternehmen wird das übernehmen – entgegen allen Ankündigungen.

Übrigens: Die antiken Römer hatten – begrifflich – eine klare Work-Leisure-Balance: „Otium“ war für sie die Muße; die Negation, also „negotium“, bedeutete für sie Geschäft.

E-Mails an: michael.koettritsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2014)

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