Als Vorbilder glatt gescheitert

Warum es nicht einfach ist, in allen Lebenslagen glaubwürdig zu sein.

Es ist eines der modernen Zauberwörter: das Wort glaubwürdig. Unternehmen müssen glaubwürdig sein, Manager sowieso. Sie beanspruchen für sich, dass man ihnen glauben könne. Doch mehr als eine Sprechblase ist diese Glaubwürdigkeit nur, wenn gelebt wird, was versprochen wird.

Unternehmen, die sich rühmen, Familien zu fördern, gleichzeitig aber nicht ansatzweise darüber nachdenken, Besprechungen so anzusetzen, dass Eltern ihre Kinder zum Kindergarten bringen oder von der Schule abholen können, haben das Prinzip Glaubwürdigkeit nicht verstanden.

Ein Beispiel gescheiterter Glaubwürdigkeit wiederholt sich jeden Herbst bei den Kollektivvertragsverhandlungen: Die Einigung fällt regelmäßig erst nach einem zähen Marathon (!) und wird in den frühen Morgenstunden (!) bekannt gegeben.

Die Arbeitnehmer hingegen werden geradezu beschworen, die tägliche Höchstarbeitszeit nicht zu überschreiten (kein Marathon) und lieber nur von neun bis 17 Uhr (keine Nachtarbeit) zu arbeiten. So schön das Verhandlungsergebnis für die Arbeitnehmer sein mag, in Sachen Glaubwürdigkeit sind ihre Vertreter als Vorbilder glatt gescheitert.

E-Mails an: michael.koettritsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2014)

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