Das Ende ist am zeitnächsten

Warum sich „as soon as possible“, kurz „asap“, sogar steigern lässt.

Bei bildungsnah und bildungsfern ist es einfach: Die einen sind die G'scheiten, die anderen na ja. Ähnlich zentrumsnah und zentrumsfern: Erstere Häuser sind teuer, zweitere hoffentlich im Grünen. Was aber bedeuten zeitnah und zeitfern? Mit der Zeit ist es kompliziert: Sie ist immer und überall, vergeht ohne unser Zutun und lässt sich bestenfalls mit definierten Zeitpunkten und -räumen festmachen.

Zeitfern ist ungebräuchlich. Gut. Zeitnah hingegen nicht. Zeitnah klingt präzise und ist doch eine Sprechblase. Denn wann und wie sich Zeitnähe realisiert, bleibt so diffus wie die gängigen Pseudopräzisierungen „eh gleich“ oder „einen Augenblick noch“. Den bezeichnendsten Satz in diesem Zusammenhang formulierte der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Josef Ackermann: „Wir werden unseren Kurs der zeitnahen Transparenz fortsetzen.“ Geradezu verständnisnah, oder?

Sind Unterlagen abzugeben oder Projekte abzuschließen, wird zeitnah gern ins Neudeutsche übersetzt: Dann heißt es „asap“. Dabei kann auch dieses „so bald wie möglich“ eine gefühlte Ewigkeit dauern. Druck und Dringlichkeit lassen sich erhöhen – mit dem Superlativ „asapst“. Damit ist das Ende am zeitnächsten.

E-Mails an: michael.koettritsch@diepresse.com

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