Diese Partie ist geschoben

Warum ergebnisoffen nichts Gutes verheißt.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Favorit hin oder her: Vor einem Fußballspiel ist in der Regel unklar, wie die Begegnung enden wird. Es sei denn, sie ist geschoben. Dennoch wird kein Spieler jemals sagen: „Wir gehen ergebnisoffen in die Partie.“ Sportler wollen ein Ergebnis, das sie als Sieger zeigt. Und nicht nur Sportler wollen das. Im Geschäftsleben ist es ganz ähnlich: Wer Verhandlungen aufnimmt, will ebenfalls seine Interessen verwirklicht sehen. Selbst wer inhaltlich keine Vorstellungen hat, will am Ende zumindest souverän dastehen.

Interessanterweise werden viele Gespräche angeblich ergebnisoffen geführt – eine wunderbare Sprechblase. Als wäre das etwas Besonderes. Doch wer „ergebnisoffen“ sagt, meint damit tatsächlich: Ich rede zwar jetzt, aber ich will gar kein Ergebnis erzielen.

Paradoxerweise steht damit aber das Ergebnis erst recht fest: Es soll viel geredet, aber wenig gesagt werden. Greifbares soll nicht dabei herauskommen.

Wenn das Gegenüber erst einmal das Gefühl hat, betonen zu müssen, dass hier auch wirklich ergebnisoffen gesprochen wird, dann ist höchste Vorsicht angesagt. Und wenn es ein Fußballer sagt, dann erst recht.


[KT253]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2015)

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