Ihr seid doch Erbsenzähler

Sprechblase. Warum sich nicht alles auszahlt, was einzahlt.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das Sparbuch hat es geschafft. Trotz Schlagzeilen um die Negativzinsen ist es wieder aus der Schusslinie. Es wird weiter – sofern vorhanden – Geld auf das Sparbuch gelegt. Oder anders gesagt: Es wird Geld eingezahlt. Einzahlung, so sagt die Betriebswirtschaftslehre, ist gleich Liquiditätszugang.

Niemand würde hingegen sagen: Dieses Geld zahlt auf mein Sparguthaben ein. Sehr wohl hingegen sagen Marketingleute: „Das zahlt auf das Image, das zahlt auf die Marke ein.“ Die Marke werde bekannter, beliebter, großartiger: Das hat etwas Altruistisches, Idealistisches, geradezu Heroisches. Und ist meist weder zu bestätigen noch zu leugnen, denn den Markenwert zu berechnen ist eine schwierige Aufgabe.

Doch um quantifizierbare Wertsteigerung geht es ohnehin nicht, wenn davon die Rede ist, dass etwas auf die Marke einzahlt. Vielmehr wird diese Sprechblase gern bemüht, um zu beruhigen, wenn andere das Gefühl nicht loswerden, Geld werde sinnlos verbraten, und sich fragen: „Können wir damit Geld verdienen?“ Wie unromantisch. Wie erbsenzählerisch. Nur weil irgendetwas auf etwas einzahlt, heißt das noch lang nicht, dass sich das auch auszahlt.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter der Ressorts "Management & Karriere" und "Arbeitswelten" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.
[KY0L3]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2015)

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