Wie der Schatz im Silbersee

Kolumne "Sprechblase". Warum Synergieeffekte so schwer zu heben sind.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das hat Aristoteles davon. Er hat in seiner Metaphysik Kompliziertes kompliziert ausgedrückt. In Erinnerung geblieben ist dennoch nur die Verknappung „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“

Ein Satz, der ganz offensichtlich weltweit inspiriert und dazu animiert, Teile zusammenzufügen. In der Hoffnung, dass eins plus eins mehr als zwei ergibt und Synergieeffekte gehoben werden können. (Richtig, sie werden „gehoben“ – wie ein Schatz.) Egal, ob Abteilungen zusammengelegt oder Konzerne verschmolzen werden, jedesmal schlägt die Stunde der Sprechblase „Synergieeffekte“. Als „sinnvoll“ und „positiv“ werden sie meist gelobt. Nur selten deuten die Unternehmenskommunikatoren in ihren Aussendungen an, worum es immer auch geht: um das Kostensparen.

In der Praxis sieht die Sache dann meist so aus: Erst werden die Synergiepotenziale bewertet. Es wird zusammengeführt und versucht, Synergieeffekte zu heben. Dann werden die einst Vermählten wieder geschieden: Man müsse Energien fokussieren, oder so ähnlich. Oder man hat sich mit den prognostizierten Synergieeffekten einfach überhoben.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter der Ressorts "Management & Karriere" und "Arbeitswelten" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.
[KZGDW]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2015)

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