Wann beginnt die Zukunft?

Kolumne "Sprechblase". Warum wir Visionen oft schwer fassen können.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Parole wäre einfach: „Die Gegenwart gestalten!“ Doch wenige Führungskräfte bringen sie über die Lippen. Viele bemühen, wenn sie ihre Mitarbeiter bewegen wollen, lieber die Sprechblase: „Die Zukunft gestalten!“ Gern versehen mit dem Zusatz „aktiv“ – als würde „gestalten“ nicht genug Aktivität bedeuten.

„Die Zukunft (aktiv) gestalten“, klingt nach Weitblick und ist doch nur eine Sicherheitsvariante: Es bleibt unklar, wann diese Zukunft beginnt. Und die Parole verrät nichts über mittel- und langfristige Vorstellungen.

Dazu bedarf es nämlich einer Vision. Unangenehm, dass sich mit der Vision die nächste Sprechblase zu Wort meldet, die gern für alles und nichts (miss-)braucht wird. Dabei ist es so einfach, wie Managementberater Michael Hirt kürzlich in der „Presse“-Serie „7 Todsünden des Managements“ dargelegt hat: Im Unterschied zur Mission, dem Kernauftrag, beschreibt die Vision das Bild, wie die Welt aussieht, wenn ein Unternehmen seine Mission erfüllt hat. Die Vision gibt allen Beteiligten Klarheit über die großen Ziele, und sie sagt, bis wann sie umgesetzt werden sollen. Damit ist klar, wann die Zukunft beginnt: meistens in der Gegenwart.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter der Ressorts "Management & Karriere" und "Arbeitswelten" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.
[L22PF]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2015)

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