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Sprechblase. Warum die „Auszeit“ so beliebt wie überschätzt ist.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wer über Arbeit spricht, kommt um eine Zauberformel nicht herum: flexible Arbeitszeit. Arbeitgeber nutzen ihren Zauber, um sich zu profilieren. Arbeitnehmer lechzen nach ihr, sofern es sie in ihrem Unternehmen noch nicht gibt. Oder sie strahlen verzaubert, wenn sie flexibel arbeiten dürfen. Selbst wenn das bedeutet: früher kommen, später gehen. Hauptsache flexibel.

Das Wort Freizeit hingegen ist unaussprechlich. Tagesfreizeit ist, seit sie synonym für Arbeitslosigkeit steht, tabu. Nicht, dass sich arbeitende Menschen nicht mehr freie Zeit wünschen würden. Doch es ist verpönt, sie beim Namen zu nennen.

Die neue Freizeit heißt Auszeit. Es muss ja nicht gleich ein einjähriges Sabbatical sein. Unter die Sprechblase Auszeit fällt mittlerweile ganz anderes: Schnell einen Kaffee trinken = Auszeit. Eine Viertelstunde nicht an den Job denken = Auszeit.

Wenn die „Management & Karriere“-Seiten der „Presse“ zu Weihnachten und zu Silvester nicht erscheinen, dann nicht, weil wir eine Auszeit nehmen. Wir genießen die freie Zeit an den Feiertagen und arbeiten dazwischen online für unsere Leser. Und bereiten Lesestoff für das nächste Jahr vor.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter der Ressorts "Management & Karriere" und "Arbeitswelten" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

Die gesammelten Kolumnen finden Sie hier.

(Print-Ausgabe, 17.12.2016)

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