Chefs zu Gärtnern machen

Sprechblase. Warum „zur Chefsache erklären“ meist nach hinten losgeht.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Schwierige Frage: „Was macht gute Chefs aus?“ Die in Bücher gebundenen Antworten füllen meterweise Regale, das Internet liefert mehr Treffer, als Manager jemals lesen können. Da gibt es metaphorische Antworten („muss wie ein Gärtner sein“) und realistische („muss nicht perfekt sein“). Die, dass sie etwas – Achtung Sprechblase – „zur Chefsache erklären“ sollen, finden sich nirgends.

Es sind nicht nur hochrangige Politiker, die in den vergangenen Tagen alles Mögliche „zur Chefsache erklärt“ haben. Auch in den Unternehmen werden derartige Erklärungen laufend abgegeben.
Immer mit ernster Miene. Nie freudig. So, als ob Chefs Chefsachen nicht gern übernehmen würden. Dabei soll das „Zur-Chefsache-Erklären“ doch unterstreichen, wie wichtig eine Angelegenheit ist. Und dass sie nun bestmöglich, weil vom Chef persönlich, erledigt wird.

Klingt gut? Beruhigend? In den Ohren der Mitarbeiter, die bis dahin mit der Sache betraut waren, eher nicht. Schließlich wird (nicht nur) ihnen signalisiert: Das war wohl nix, jetzt muss jemand anderer ran, einer, der's kann. „Zur Chefsache erklären“ ist alles andere als ein Highlight in Sachen Mitarbeitermotivation.

Umgekehrt fordern auch Mitarbeiter immer wieder, dass ihre Chefs Themen „zur Chefsache erklären“. Aus unterschiedlichen Gründen: weil sie in der Sache nicht weiterkommen, weil sie Entscheidungen von sich wegschieben wollen, oder weil sie nicht in der Lage bzw. willens sind, Lösungswege vorzuschlagen. Sie putzen sich lieber (die Hände) ab.

So oder so sind es die Mitarbeiter, die nicht gut aussehen, wenn es ums „Zur-Chefsache-Erklären“ geht. Genauso wenig kommen Chefs gut weg, die sich darauf einlassen. Für sie ist es der Testfall, ob sie tatsächlich Verantwortung übertragen, vertrauen und ermöglichen. Denn es ist wie bei den Pflanzen. Wachsen müssen sie selbst. Gute Gärtner wissen das.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

Die gesammelten Kolumnen finden Sie hier.

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