Eh schon fast am Ziel

Sprechblase Nr. 258. Warum „Ich bin dran“ meist unbefriedigend ist.

Clemens Fabry

Da war sie: die Bitte, den Termin zu vereinbaren, das Thema zu recherchieren, den Bericht zu verfassen. Nur kam auf die schüchterne Nachfrage nach dem Stand der Dinge irgendwann später nur ein – Achtung Sprechblase – „Ich bin dran“ zurück.

Zugegeben, eine gute Antwort, weil meist nicht gelogen. Sie kann ja bedeuten: „Schwierige Aufgabe, ich geb mein Möglichstes, mache kleine Fortschritte, bin aber leider noch nicht am Ziel.“ Theoretisch.
Oft handelt es sich aber nicht um Aufträge, bei denen jeder schreit: „Ich bin dran!“, weil sie so viel Spaß machen würden oder so prestigeträchtig sind.

Praktisch heißt dieses „Ich bin dran“ daher eher: „Ich weiß eh, ich sollte etwas tun. Wenn ich in nächster Zeit einmal Zeit habe, dann erledige ich es. Vielleicht.“ Mit dem Wissen: Tue ich es nicht, bin ich – früher oder später – dran.


In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

Die gesammelten Kolumnen finden Sie hier.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 2018)

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