Die Waffen nieder

Sprechblase Nr. 259. Warum „kriegsentscheidend“ Krieg voraussetzt.

Clemens Fabry

Also ist man einmal ehrlich und sagt, was man sich denkt. Und dann wird das als Fehlleistung abgetan: Ein Versprecher soll das gewesen sein – sagen die Freudianer. Zum Beispiel, wenn man am Ende eines langen und zugegeben mühsamen Gesprächs statt „Jetzt halte ich Sie wirklich nicht mehr auf“ tatsächlich „Jetzt halte ich Sie wirklich nicht mehr aus“ sagt.

Womöglich kein Versprecher ist es, wenn man erzählt, sich vor Verhandlungen mit Geschäftspartnern in Stellung zu bringen und alle Geschütze aufzufahren. Und wenn man im Gespräch die entscheidenden Punkte nicht „entscheidend“ oder „spielentscheidend“, sondern viel mehr – Achtung, Sprechblase – „kriegsentscheidend“ nennt.

Da gilt es aufzupassen, dass man am Ende nicht bloß die Schlacht gewinnt, aber den Krieg, ähm, die gute Geschäftsbeziehung verliert.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

Die gesammelten Kolumnen finden Sie hier.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 2018)

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