Heldenepos, Alltagsnotiz

Sprechblase Nr. 263. Warum ein „schwieriges Umfeld“ langweilig ist.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das wussten schon die alten Griechen – und die haben es wahrscheinlich auch nur irgendwo abgekupfert. Für eine gute Geschichte braucht es nur wenig: einen Helden, einen Gegenspieler, eine Herausforderung. Und da behaupte noch jemand, Storytelling sei ein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Ja, und eines sollte dem Epos idealtypisch außerdem nicht fehlen, das – Achtung Sprechblase – „schwierige Umfeld“.

Vom schwierigen Umfeld sprechen heute sehr viele Menschen. Mitarbeiter und Führungskräfte auf allen Ebenen – stimmt, die Aufgaben, vor denen sie mit ihren Teams stehen, sind zugegeben nicht einfach. Die Welt ist schließlich dynamisch, kompliziert und komplex. Allerdings: Wenn alle das schwierige Umfeld für ihre Heldengeschichte bemühen, relativiert sich das Heldenhafte, und das schwierige Umfeld wird eine ganz normale Alltagsnotiz.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

Die gesammelten Kolumnen finden Sie hier.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2018)

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