Berufswahl

„Du kannst alles werden, was du willst“

Es geht um das große Entscheidungsdilemma der Millennials. Und es hat mit Marmelade zu tun.

Pixabay

Sie meinen es ja nur gut. All die Eltern, die ihren Kindern freie Wahl lassen. „Du kannst alles werden, was du willst“ heißt: Du musst das Geschäft nicht übernehmen, wenn du nicht willst. Du musst nicht werden, was Mama oder Papa geworden sind. Was Familientradition ist. Was vernünftig ist. Was gerade gesucht wird. Du hast es in der Hand. Und alles ist möglich.

Aus Sicht der Eltern (die vielleicht das genaue Gegenteil erlebt haben) ist diese Freiheit ein großes Geschenk.

Aus Sicht der Jungen kann es ein Fluch sein. Ganz ohne Richtung, ganz ohne Führung können sie die Berufsentscheidung oft nicht treffen. Das ist der Grund, warum sie mal dies, mal das studieren und wieder abbrechen. Warum sie immer länger für ihre Ausbildung brauchen und immer später ins Berufsleben springen.

Und jetzt die Marmelade

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Eine Metapher aus einem ganz anderen Lebensbereich: Veranstaltet die US-Supermarktkette Draeger’s eine Promotion für Marmelade, pickt sie sechs Sorten heraus. Sie weiß aus Erfahrung, dass 40 Prozent der vorbeiflanierenden Kunden die Marmelade kosten und zwölf Prozent sie kaufen werden.

Mehr Auswahl, mehr Umsatz, dachte das Produktmanagement und stellte 24 Sorten in den Aktionsstand. Das genaue Gegenteil trat ein. Zwar kosteten jetzt 60 Prozent, aber nur jämmerliche zwei Prozent kauften ein Glas Marmelade. Statt ein Verkaufsturbo zu sein, erwies sich die größere Auswahl als Verkaufskiller, weil die Kunden sich einfach nicht mehr entscheiden konnten.

Denselben Overload haben junge Menschen. Bei ihnen geht es nicht um ein Glas Marmelade, sondern um eine Entscheidung fürs Leben. Immer mehr Berufe, immer mehr Ausbildungsformen, immer mehr Studienrichtungen – wer blickt da noch durch?

Nicht missverstehen: Das ist kein Plädoyer für elterliche Dominanz. Sondern dafür, die Jungen nicht allein im Regen stehen zu lassen.

Ein Rat noch für den allseitigen Seelenfrieden: Hat man sich für eine Option entschieden, die anderen sofort vergessen. Nur so konzentriert man sich mit aller Energie auf die gewählte Option. Es ist wie mit dem Zalando-Rückgaberecht: Wer ständig überlegt, ob er die Schuhe retournieren soll, hat nie Freude damit.

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