Der Streit ums Kopftuch

Sicher habt ihr sie schon gesehen: Mädchen oder junge Frauen, die ein Kopftuch tragen. In der U-Bahn, in der Schule, am Spielplatz oder in einem Büro. Sie tragen das Kopftuch als Ausdruck ihres Glaubens.

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(c) REUTERS (STEFAN WERMUTH)

Viele Muslime sehen es als Gebot des Koran (das ist die heilige Schrift des Islam) an, dass Mädchen ab der Pubertät in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Nur zu Hause dürfen sie das Kopftuch ablegen. Hintergrund dieser Vorschrift ist, dass nur der eigene Ehemann die ganze Schönheit der Frau erkennen können soll.

Ermordung als Strafe

Es gibt verschiedene Stufen der Verhüllung: das Kopftuch, den Tschador (das ist ein langer Mantel, der Kopf und Körper bedeckt), den Niqab (der nur einen Schlitz für die Augen freilässt), die Bushiya (ein Mantel mit einem durchsichtigen Schleier vor dem Gesicht) und die Burka (mit einem undurchsichtigen Gitter vor dem Gesicht). In zahlreichen muslimischen Ländern wie dem Iran, Saudiarabien, dem Sudan oder Afghanistan müssen Frauen mit Strafen bis hin zur Ermordung rechnen, wenn sie dem Schleierzwang nicht Folge leisten. In der westlichen Welt wird der Kopftuchzwang kritisch gesehen: Er entmündige die Frau und werte sie ab. Andere wiederum sagen, der Staat dürfe sich nicht in religiöse Vorschriften einmischen.
Jetzt hat der Europäische Gerichtshof ein mit Spannung erwartetes Urteil gefällt: Darin steht, dass Chefs ihren Mitarbeiterinnen das Tragen eines Kopftuchs verbieten dürfen. Aber nur dann, wenn sie auch das Tragen anderer religiöser Symbole verbieten. Anlass für das Urteil war eine Muslimin, die in einem Unternehmen als Rezeptionistin arbeitete. Nach drei Jahren kündigte sie an, auch im Dienst ein Kopftuch tragen zu wollen. Das wurde vom Unternehmen verboten. Da sich die Frau trotzdem verschleierte, wurde sie gekündigt.

Konflikt ums Schwimmen

Auch bei Mädchen kann es schon zu Konflikten zwischen religiösen Vorstellungen und Vorschriften kommen. Etwa beim Schwimmunterricht in der Schule. Es gibt Väter, die ihren Töchtern die Teilnahme am Schwimmunterricht nicht erlauben – weil muslimische Mädchen nicht gemeinsam mit Buben schwimmen sollen. Dem steht die Schulpflicht entgegen: Eltern dürfen Kinder nicht einfach vom Unterricht fernhalten. Auch hier haben letztlich die Richter entschieden: Sie waren sich einig, dass es keine Ausnahmen vom Schwimmunterricht für junge Musliminnen geben darf. Für Schüler sei es wichtig, den Unterricht gemeinsam mit den Klassenkameraden zu erleben. Es gehe um soziale Integration, und diese stehe über den religiösen Vorstellungen der Eltern. ?

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