Die Powerfrau der Habsburger

Eine Frau, die vor rund 300 Jahren geboren wurde, ist „schuld“ daran, dass alle Kinder ab sechs Jahren in die Schule gehen müssen: Kaiserin Maria Theresia

 Maria Theresia lernte spät reiten – für Frauen war das damals noch eine ungewöhnliche Beschäftigung. Es machte ihr aber sehr viel Spaß, und sie wurde eine wilde Reiterin.
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 Maria Theresia lernte spät reiten – für Frauen war das damals noch eine ungewöhnliche Beschäftigung. Es machte ihr aber sehr viel Spaß, und sie wurde eine wilde Reiterin.
Maria Theresia lernte spät reiten – für Frauen war das damals noch eine ungewöhnliche Beschäftigung. Es machte ihr aber sehr viel Spaß, und sie wurde eine wilde Reiterin. – (c) ÖNB-Bildarchiv / picturedesk.co

Kaiserin Maria Theresia führte 1774 die allgemeine Schulpflicht ein. Und diese war eine echte Errungenschaft. Denn vor der Zeit Maria Theresias kümmerte sich keiner um den Aufbau eines einheitlichen Schulwesens. Adelige, reiche Bürger, Beamte und vermögende Handwerker leisteten sich Privatlehrer, um ihren Kindern eine gute Ausbildung zukommen zu lassen. Bauern – und die waren die größte Bevölkerungsschicht – konnten das nicht. Auf dem Land gab es entweder gar keine Schulen, oder sie waren schlecht („Armenschulen“). Außerdem wurden die Bauernkinder meist von ihren Eltern gebraucht: Sie halfen bei der Feldarbeit oder passten auf das Vieh auf. In einer Zeit, da die meisten Familien viele Kinder hatten, musste jeder mithelfen, damit alle halbwegs satt wurden.

Besser durch Bildung

Unter Maria Theresia kam es zum Umdenken. „Nicht alle Bauernkinder mögen Bauern werden“ hieß es etwa in einer Verordnung. Die neuen Ideale waren: Die Menschen sollten durch Bildung besser werden – und damit auch dem Staat mehr nützen. Daher erließ die Kaiserin eine Allgemeine Schulordnung: In diesem Gesetz stand, dass Kinder, wenn sie nicht von Hauslehrern erzogen werden, in die Schule geschickt werden müssen, sobald sie sechs sind. Auch die Unterrichtsfächer wurden festgelegt: Zu den grundlegenden Kenntnissen gehörten die Religion, das Lesen geschriebener und gedruckter Texte, die Kurrentschrift (das war bis 1941 die normale Schrift im deutschen Sprachraum), die Rechenkunst sowie Anleitungen zu Rechtschaffenheit und Wirtschaft.
Es war nicht die einzige Neuerung, die Kaiserin Maria Theresia durchsetzte. Die Herrscherin schaffte die Folter ab, befreite die Bauern von ihren Grundherren und ließ das erste Papiergeld drucken. Daneben führte sie Kriege (einer ihrer berühmten Sprüche lautet: „Eher gäbe ich mein Hemd und meinen Unterrock her als Schlesien“) und brachte 16 Kinder zur Welt (von denen allerdings nur zehn erwachsen wurden).
Weil sie so viele Reformen umsetzte, gilt Maria Theresia als eine der fähigsten Herrscher des Hauses Habsburg. Darüber hinaus war sie auch die einzige Frau, die jemals so viel Macht besaß. Am 13. Mai jährt sich ihr Geburtstag zum 300. Mal – aus diesem Grund gibt es mehrere Ausstellungen, die sich der Kaiserin widmen.

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