Ein Frühling für die Kunst

Diebe haben von der Kuppel der Secession Blätter abgebrochen. Doch wieso steht so ein Blätterdach mitten in Wien?

Von der Kuppel der Secession wurden laut Polizei mehrere der künstlerisch gestalteten Blätter abgebrochen.
Von der Kuppel der Secession wurden laut Polizei mehrere der künstlerisch gestalteten Blätter abgebrochen.
Von der Kuppel der Secession wurden laut Polizei mehrere der künstlerisch gestalteten Blätter abgebrochen. – (c) APA/HANS KLAUS TECHT

Diebe haben sich in der Nacht auf Dienstag an einem Wiener Wahrzeichen vergriffen: Von der Kuppel der Secession wurden laut Polizei mehrere der künstlerisch gestalteten Blätter abgebrochen. Die unbekannten Täter dürften über ein Baugerüst gekommen sein. Sechs bis acht Blätter wurden mit Gewalt abgebrochen, sagte Polizeisprecherin Irina Steirer. Der Diebstahl wurde zwischen Montag 18 Uhr bis Dienstag 6.30 Uhr begangen.

Neue Ideen. Die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Hauses, dessen Kuppel derzeit umfangreich renoviert wird, wurden deshalb erhöht. Die Ermittler bezifferten den Schaden mit „über 10.000 Euro“. Der Materialwert der entwendeten Blätter liege aber unter 1000 Euro, sagte Karin Jaschke, Pressesprecherin der Secession. „Der Schaden des Diebstahls von einigen wenigen Kuppelblättern besteht in erster Linie aus mutwilliger Sachbeschädigung“, hieß es in einer Stellungnahme. Es seien zusätzliche Sicherungsmaßnahmen getroffen worden.
Doch wieso steht eigentlich ein Haus mit einem goldenen Blätterdach mitten in Wien? Das Ausstellungshaus ist mehr als hundert Jahre alt: 1898 wurde es von einer Künstlergruppe mit dem Namen Secession erbaut. Die Kosten für das Gebäude wurden großteils von den Mitgliedern der Künstlervereinigung aufgebracht, die Stadt Wien stellte allerdings den Baugrund in der Nähe des Naschmarkts gratis zur Verfügung.
Zur Gruppe gehörten viele Künstler, die heute ganz berühmt sind: etwa Gustav Klimt, Koloman Moser oder Joseph Hoffmann. Sie waren mit der bestehenden Künstlervereinigung im Wiener Künstlerhaus (am Karlsplatz) nicht zufrieden: Diese war ihnen zu altmodisch und zu wenig ideenreich. Ihr Wahlspruch „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“ prangt nun in goldenen Lettern an dem Haus, das ebenfalls Secession heißt. Das goldene Blätterdach nimmt Bezug auf ein weiteres Motto der Gruppe: „Ver sacrum“. Das ist lateinisch und heißt „heiliger Frühling“. Die neue Bewegung sollte der Kunst zu neuer Blüte verhelfen.
Im Zuge der Renovierungsarbeiten wurden rund 2500 Blätter und 311 Beeren in den vergangenen Monaten restauriert bzw. nachgeschmiedet – sie sollen bis Ende Mai wieder auf dem Dach glänzen.

Wusstest du schon,dass . . .
. . . das Secessionsgebäude auf der Rückseite der österreichischen 50-Cent-Münze abgebildet ist? Das Gebäude wurde 1897/98 vom Architekten Joseph Maria Olbrich geplant. Ein wichtiges Ausstellungsstück ist Gustav Klimts Beethovenfries.

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