Wenn ein Ohr einkaufen geht

Hast du schon einmal mit einem Luftschwert gekämpft? Grischka Voss erzählt, wieso Fantasie für sie das höchste Gut ist.

Die Kinder können sich wild und frei ihrer Fantasie hingeben.
Die Kinder können sich wild und frei ihrer Fantasie hingeben.
Die Kinder können sich wild und frei ihrer Fantasie hingeben. – (c) Rainer Berson

„Diese Brille kann alles sein“, sagt Grischka Voss und nimmt ihre Sonnenbrille aus dem Haar. „Ein Königszepter, eine Pistole oder ein Zauberstab.“ Die Theatermacherin sieht es als ihre Mission an, „die Fantasieschleusen der Kinder zu öffnen“.

Seit zehn Jahren leitet Voss Theaterworkshops für Kinder – wie etwa ab Montag (23. 7. – 27. 7.) „Let's be“ beim ImPulsTanz. „Jedes Kind hat das Bedürfnis, Geschichten zu erzählen, darzustellen, zu spielen. Ich habe mit den Workshops ursprünglich für meinen Sohn begonnen. Er wird im August zwölf und ist immer noch gern dabei. Ich will den Kindern den Raum bieten, sich wild und frei ihrer Fantasie hinzugeben.“

Die Kinder machen bei ihr alles: Eine Geschichte erfinden, inszenieren, spielen, das Bühnenbild gestalten . . . „Wichtig ist mir, dass sie in der Gruppe zusammenhalten. Wenn ich jemanden dabei ertappe, dass er einem anderen Kind dreinredet, greife ich schon ein.“ Sonst haben die Kinder jeden Freiraum. „Das ist ein zutiefst anarchistischer Workshop. Die Kinder dürfen verrückt sein, laut sein, alles tun, was sie sonst oft nicht dürfen.“

Voss arbeitet nicht ergebnisorientiert. „Im Leben geht es eh ständig nur um Leistung. Eine Aufführung für die Eltern gibt es bei uns nur, wenn die Kinder das von sich aus wollen. Das kommt manchmal vor.“ Spielerische Körperarbeit und schräge Improvisationen stehen bei ihr auf dem Programm. „Wir spielen etwa eine Verkaufssituation. Der Verkäufer ist ein Ohr, ins Geschäft kommt ein riesiger Fuß. Wie können die beiden nun miteinander verhandeln? Das ergibt immer spaßige Szenen.“ Die Kinder befreien. Grischka Voss ist in einer Theaterfamilie aufgewachsen: Ihr Vater, Gert Voss, war ein berühmter Schauspieler, ihre Mutter Dramaturgin (jemand, der Texte theatertauglich macht). „Ich habe schon als Kleinkind meiner Mutter die merkwürdigsten Märchen diktiert“, sagt sie. „Heute leben wir in einer freien, toleranten Gesellschaft. Aber die Kinder sind eingesperrt. Sie dürfen nicht rennen, nicht schreien, nicht auf Bäume klettern.“ Genau das will Voss ändern.

Wusstest du schon, dass . . .

. . . es beim ImPulsTanz-Festival immer Workshops für Kinder und Jugendliche gibt? „Let's be“ ist für Kinder ab sieben, afrikanischer Kindertanz für Sechs- bis Neunjährige (jeweils: 23.–27. 7.). Hip-Hop-Tanz startet am 6. 8. (ab elf). www.impulstanz.com


[OMF8J]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2018)

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