"Leidenschaft sucht dich aus"

Schon mit neun Jahren hat Johannes Maria Staud das gemacht, was heute sein Beruf ist: Komponieren.

Mit 17 Jahren hat sich Staud für die klassische Musik entschieden.
Mit 17 Jahren hat sich Staud für die klassische Musik entschieden.
Mit 17 Jahren hat sich Staud für die klassische Musik entschieden. – (c) Carolina Frank

 Das heißt, er denkt sich Musikstücke aus und schreibt sie auf. Das Ergebnis ist ein – oft sehr dickes – Notenbuch, Partitur genannt. Jetzt gerade hat er eine neue Partitur für die Wiener Staatsoper geschrieben: Seine Oper „Die Weiden“ wird dort am 8. Dezember uraufgeführt, also zum allerersten Mal vor Publikum gespielt. Geprobt wird natürlich schon seit ein paar Monaten. Denn in einer Oper arbeiten viele Menschen zusammen, die sich aufeinander einstellen müssen: Die Musiker, der Dirigent, die Sänger, die Regisseurin, die Bühnenbildner, die Kostümbildner und viele andere. Doch zurück zur Musik. Vielleicht hast du dir ja schon einmal ein Lied ausgedacht und kennst auch schon die Noten. Doch wie bringt man ein ganzes Orchesterwerk auf Papier? Dazu bedarf es viel Fantasie – und natürlich auch ganz viel Erfahrung. In einer Partitur sind die verschiedenen Instrumentenstimmen untereinander angeführt: Meist stehen die Noten für die Flöten ganz oben, darunter kommen die Oboen, die Klarinetten und so weiter. In den untersten Reihen findet man die Streicher, von der Geige bis zum Kontrabass. Der Komponist hat beim Schreiben schon im Kopf, wie das Orchester später klingen soll.


Der Dirigent ist dazu da, dass es dann genau so klingt: Er hat auf seinem Pult die Partitur liegen, gibt den Takt an und achtet darauf, dass die einzelnen Instrumentengruppen miteinander harmonieren. Die Orchestermusiker haben nur ihre eigenen Instrumentenstimmen vor sich liegen – sonst wäre das viel zu verwirrend.

Umweg über Rockmusik. Und wie wird man nun Komponist? „Ich war in der Musikschule, der Singschule, habe Blockflöte gespielt. Ich habe schon früh gemerkt, dass ich komponieren will“, sagt Staud. Anfangs, mit neun Jahren, sei es noch sehr spielerisch gewesen. „Das Komponieren war für mich auch eine Flucht aus dem Alltag, ich konnte meine eigenen klingenden Fantasiewelten entstehen lassen“ sagt Staud, der in Innsbruck aufgewachsen ist und als „stotternder kleiner Junge“ dort auch nicht immer glücklich war. Ein typisches Wunderkind sei er nicht gewesen. „Mit 14 habe ich mich mehr für Rockmusik interessiert – ich wollte laut sein.“ Mit 17 Jahren hat sich Staud dann für die klassische Musik entschieden. Schon während des Studiums bekam er Aufträge, Stücke zu schreiben. „Ich hatte Glück.“ Heute kann er gut davon leben – neben seinen Kompositionsaufträgen unterrichtet er auch. Ab Oktober etwa als Professor am Mozarteum in Salzburg. Was er Kindern empfiehlt, die sich für die Musik begeistern? „Gleichgesinnte suchen, mit Leuten sprechen, die das als Beruf machen.“ Und immer der Leidenschaft folgen. Oder umgekehrt. „Leidenschaft sucht einen aus“, ist Staud überzeugt.


Wusstestdu schon,dass . . .
. . . Johannes Maria Staud auch Stücke für Kinder geschrieben hat? Etwa „Fugu 1 & 2“ für Kinderorchester (Auftragswerk für das Salzburger Mozarteum) oder drei Kinderklavierstücke („Hommage à Bartók I“ – „Hommage à Bartók II“ – „Go Ahead“).

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