"Ich möchte Anwalt werden"

Wenn der zehnjährige Grace Mukoma am Morgen aufsteht, fegt er zunächst einmal den Boden. Wenn etwas zu essen im Haus ist, frühstückt er. Doch das ist nicht selbstverständlich. Oft ist nichts da.

Der zehnjährige Grace baut an seinem Spielhaus.
Der zehnjährige Grace baut an seinem Spielhaus.
Der zehnjährige Grace baut an seinem Spielhaus. – (c) World Vision/Jon Warren (Jon Warren)

Dann geht er ins nahe gelegene Kinderschutzzentrum von World Vision. Dort bekommt er eine warme Mahlzeit, etwa einen Frühstücksbrei aus Soja, Haselnüssen und einer Frucht namens Maringa.
Grace lebt mit seiner Mutter, seiner Schwester Harriet und einigen Verwandten in einem kleinen Haus in der Provinz Central Kasai im Kongo. Früher einmal war die Familie größer: Doch Graces Vater wurde im Krieg getötet, zwei Geschwister starben, da sie nicht genug zu essen hatten. Der Krieg hat im Kongo viel zerstört. Trotz seines Rohstoffreichtums zählt der Staat nun zu den ärmsten Ländern der Welt. Auch das Haus der Familie Mukoma wurde damals niedergebrannt. Seitdem kämpft die Familie ums Überleben. Abgesehen von der Nahrung ist auch das Wasser ein Problem: Grace muss etwa eine halbe Stunde marschieren, bis er von seinem Haus zu einem kleinen Tümpel kommt. Das Wasser darin ist braun und schlammig – aber alles, was sie haben. In einem Eimer transportiert Grace das Wasser für seine Familie. Manchmal auch auf dem Kopf. Er verschüttet dabei keinen Tropfen. Natürlich spielt Grace auch gerne – auf dem Bild baut er gerade ein Haus aus Steinen, Schlamm und Dingen, die er gefunden hat. Das Auto besteht etwa aus einer leeren Sardinendose. Grace träumt davon, eines Tages sein eigenes richtiges Haus zu bauen. „Es soll sechs Zimmer haben, davon eines für Besucher. Jeder ist willkommen. So bin ich nie alleine“, sagt er.

Mehr Gerechtigkeit. Um Grace und anderen Kindern in Krisenregionen eine normale Kindheit zu ermöglichen, hat der Verein World Vision Kinderschutzzentren gegründet. Dort bekommen die Kinder eine Ausbildung, Essen, können spielen und ihre Freunde treffen. Denn Schulen gibt es in der Region nicht – auch sie wurden im Krieg zerstört, eine Privatschule kann sich Graces Familie nicht leisten. Seinen Traum von einem besseren Leben gibt er trotz der schwierigen Umstände nicht auf: „Ich möchte Anwalt werden. So kann ich für mehr Gerechtigkeit kämpfen.“

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