Wenn der Mond verschwindet

Im Theater an der Wien hat am Dienstag die Jugendoper Liberté Premiere. Sie wird von Jugendlichen aufgeführt.

Der Chor bei der Probe: Sprechen, Gesang und Tanz werden geübt.
Der Chor bei der Probe: Sprechen, Gesang und Tanz werden geübt.
Der Chor bei der Probe: Sprechen, Gesang und Tanz werden geübt. – (c) Herwig Prammer

„Ich habe Angst, dass ich das Gasleck nicht rieche, dass meine Katze stirbt, weil ich vergesse, mich um sie zu kümmern, dass ich in die Schuldenfalle gerate, vereinsame, verwahrlose“, ruft der Chor der jungen Räubern ins Publikum. Es sind 35 Jugendliche, die gemeinsam eine Oper proben: „Liberté“, also Freiheit, heißt sie und wird am 25. Juni erstmals am Theater an der Wien aufgeführt. In dem Stück geht es um den freien Willen: Ein dem Mond höriges und von ihm bestimmtes Volk geht seinen Ritualen und Mondgebeten nach. Plötzlich verschwindet der Mond. Jetzt werden die Menschen aus ihrer Routine gerissen und müssen ihr Zusammenleben selbst gestalten.

Ausgedacht hat sich das Stück der Regisseur Daniel Pfluger gemeinsam mit den Nachwuchssängern und -schauspielern. Es beruht auf Werken des Dichters Friedrich Schiller. Dieser lebte vor mehr als 200 Jahren und schuf berühmte Theaterstücke: „Die Räuber“, „Die Jungfrau von Orléans“, „Wilhelm Tell“ und viele andere, die heute noch sehr oft gespielt werden.

Seit Oktober 2018 arbeiten die 35 Jugendlichen im Rahmen von „Jugend macht Oper“ an dem neuen Stück. Jeden Montag gibt es eine Chorprobe, dazu ein szenisches Wochenende pro Monat. Jedes Jahr gibt es am Theater an der Wien ein Stück, das von Jugendlichen einstudiert wird. Die jüngsten Teilnehmer sind gerade einmal 14 Jahre alt. Mitmachen kann jeder, der möchte – und bereit ist, viel Zeit zu investieren. „Ich bin so froh, dass ich dabei sein darf“, erzählt Joseph Lang, der über Freunde von dem Projekt gehört hat. „Es gab ein Casting und da wurde ich ausgewählt. Das Schwierigste war für mich anfangs das Singen, denn ich hatte lang nichts mit Musik zu tun“, so der 23-jährige Student. Mittlerweile bewegt er sich wie ein Profi auf der Bühne. Ob das Theater für ihn beruflich eine Option wird, weiß er noch nicht. „Aber ich möchte jedenfalls weiter damit zu tun haben. In Wien gibt es so viele coole Jugendprojekte in dem Bereich“, schwärmt er.

Keine Samthandschuhe. Die Kids lernen, wie es in einem Opernhaus zugeht. Dabei werden sie nicht mit Samthandschuhen angegriffen. „Noch einmal! Ihr wollt uns was erzählen! Nicht mit angezogener Handbremse sprechen“, ruft der Regisseur bei der Probe. Es ist heiß, und nicht alle sind von der Wiederholung begeistert. Doch sie merken: Es klingt besser. Am Schluss sind alle erschöpft – aber alle strahlen.

Wusstest du schon, dass...

. . . bei der Jugendoper auch das Orchester aus Jugendlichen besteht? Es spielt das Oberstufenorchester des Musikgymnasiums Wien, Dirigent ist Raphael Schluesselberg. Termine: 25. und 27. Juni, 19 Uhr, 26. Juni, 11 Uhr. Tickets: fünf bis 15 Euro. www.theater-wien.at

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2019)

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