Hollywood vs. Trump: Der Krieg geht weiter

Die Reaktion von US-Präsident Donald Trump auf Robert De Niros Angriffe fiel gewohnt flapsig aus. Der verbale Widerstand aus Hollywood ist Trump sicher - und geht nun in die nächste Runde.

Hollywood VS. Trump geht in die nächste Runde
Hollywood VS. Trump geht in die nächste Runde
Hollywood VS. Trump geht in die nächste Runde – APA/AFP/JORGE GUERRERO/SAUL LOEB

US-Präsident Donald Trump hat auf die verbalen Angriffe von Schauspieler Robert De Niro reagiert. Wie schon infolge des G7-Gipfels twitterte Trump aus der Air Force One, diesmal am Rückweg von Singapur: De Niro habe als Schauspieler wohl zu viele Schläge von echten Boxern auf den Kopf bekommen, schrieb der Präsident. Er sei ein "ein Individuum von sehr geringer Intelligenz".

Trump spielte damit auf eine Paraderolle De Niros an: Für die Rolle des Boxers Jake LaMotta in "Wie ein wilder Stier" ("Raging Bull") hatte der heute 74-jährige 1981 den Oscar als Bester Hauptdarsteller erhalten. In einem weiteren Tweet verwies Trump den Schauspieler auf die seiner Ansicht nach beste US-Wirtschaft, die es je gab: "Wach auf, Punchy!", schrieb er ("punch": Faustschlag).

Tosender Applaus nach "Fuck Trump"-Sager

Tatsächlich waren es teils wüste Beschimpfungen, die der Oscarpreisträger dem US-Präsidenten vergangenen Sonntag an den Kopf geworfen hatte. Bei der Verleihung der Tony Awards in New York ging der 74-jährige Schauspieler auf die Bühne, ballte die Fäuste und rief: "Ich will nur sagen: Fuck Trump! Es kann nicht mehr heißen: Weg mit Trump!, es heißt Fuck Trump!" Für die Aussage ließ sich De Niro feiern: Das Publikum reagierte mit tosendem Applaus, Gelächter und Standing Ovations.

Es ist nicht das erste Mal, dass es zu öffentlich ausgetragenen Reibereien zwischen dem Hollywood-Star und dem US-Präsidenten kommt. De Niro hatte in der Vergangenheit bereits mehr als deutlich gegen Trump Stellung bezogen. Schon während der US-Präsidentschaftskampagne 2016 hatte er Trump "immens dumm" genannt und klar gemacht, dass er ihm "ins Gesicht schlagen" wolle.

Trump gegen alle

De Niro ist allerdings nur einer von vielen Vertretern der US-Unterhaltungsbranche, die öffentlich gegen Trumps Politik mobilisieren. Die viel beachtete Rede von Meryl Streep bei den Golden Globes 2017 ist ein Beispiel dieser öffentlichen Kritik: "Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle", sagte Streep damals unter Tränen bei der Entgegennahme des "Cecil B. Demille"-Preises für ihr Lebenswerk.

Der schlimmste Moment des Jahres sei für sie damals nicht in einem Film gewesen, sondern als Trump im Wahlkampf die Bewegungen eines körperlich Behinderten nachgeäfft hatte: "Dieser Instinkt, andere zu demütigen, zieht sich in den Alltag von uns allen." Trump bezeichnete die vielfach ausgezeichnete Streep daraufhin als eine der meist überschätzten Schauspielerinnen Hollywoods.

Streeps Rede löste jedoch eine Reihe von Solidaritätsbekundungen unter Schauspielkollegen aus. "Sollten Sie nicht das Land regieren?", fragte US-Schauspieler George Clooney als Reaktion auf Trumps Beleidigungen. "An diesem Punkt unseres Lebens müssen wir hoffen, dass er nicht alles zerstört." Während des Sundance Festivals 2016 in Park City demonstrierten Tausende Menschen, darunter viele Film- und Fernsehstars, gegen Trump. Als Wortspiel mit dem Namen des damals neu gewählten Präsidenten riefen sie "Love Trumps Hate" ("Liebe übertrumpft Hass").

Late-Night-Shows steigern ihre Einschaltquoten

Auf die überraschende Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten reagierten auch einige populäre US-Latenight-Shows. Satiriker Stephen Colbert, dessen Show zuvor um Einschaltquoten gekämpft hatte, verstärkte den Anteil der politischen Satire in seiner "Late Show with Stephen Colbert". Damit sollte er den Geschmack des Publikums treffen: Die Sendung gilt seither als Dauerbrenner für Trump-Satire. Im Februar 2017 erreichte die Show regelmäßig über drei Millionen Zuschauer und übertraf damit Publikumsliebling Jimmy Fallon. Und auch Alec Baldwin hat mit seiner Trump-Parodie bei "Saturday Night Live" regelmäßig die Lacher auf seiner Seite.

"Wenn alle berühmten Leute Trump in den nächsten vier Jahren permanent kritisieren, wäre er zu beschäftigt, auf Twitter zu schimpfen, um uns alle zu töten", schlug Schriftsteller Aaron Gillies vor. Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling griff die Idee auf und kommentierte auf Twitter: "Vergesst niemals, dass die gute Meinung einiger Leute beleidigender wäre, als ihre Schmähungen."

Auch bei Musikern ist Trump mehr als unbeliebt: Für die Vereidigungsfeier Trumps war es seinem Team im Vorjahr durchaus schwer gefallen, Künstler für einen Auftritt zu verpflichten. Moby hatte dankend abgelehnt: "Hahahahah, ich wurde gerade gefragt, ob ich beim Amtseinführungsball für Trump auflegen würde", schrieb der Musiker damals auf Instagram. Das Angebot wolle er nur annehmen, wenn Trump im Gegenzug seine Steuererklärung veröffentliche.

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