Festwochen: Gut, dass Conchita Wurst noch aktiv ist

Von Tänzen aus Simbabwe bis zu russischem Wein: eine bunte Revue auf dem Wiener Rathausplatz zur Eröffnung der Festwochen.

Eröffnung der Wiener Festwochen 2017
Eröffnung der Wiener Festwochen 2017
(c) ORF ORF2 - FR - 12.05.2017 - 21:20 UHR.

„Abara kadabara, wo sind meine Hawara? Wo sind meine Freund', wenn die Sonn net scheint?“ Kann gut sein, dass die Nation seit der Eröffnung der Festwochen am Freitagabend einen neuen Wurm in den Ohren hat. Auf dem Wiener Rathausplatz stand nämlich unter anderem dieser Song auf dem Programm. Geschrieben hat ihn Ernst Molden, wie so viele gute neue wienerische Lieder (um das von diversen Reinheitsgeboten geschützte Wort „Wienerlied“ zu vermeiden), gesungen haben ihn Molden und Willi Resetarits, der ja bei einer guten Festwochen-Eröffnung nicht fehlen darf.

Eine besonders gelungene Revue hat er vor acht Jahren selbst moderiert: Als „legitimen Erben von Heinz Conrads“ hat ihn „Die Presse“ damals bezeichnet. Nun, so kann man Conchita Wurst wohl nicht nennen, aber diese Kunstfigur steht in einem ähnlichen Spannungsverhältnis zu dem Mann, der sie verkörpert, wie der Ostbahn-Kurti zu Resetarits: Thomas Neuwirth wollte die Conchita Wurst ja schon in den Ruhestand schicken; gut, dass er es doch noch nicht getan hat. Denn sie hat vielleicht nicht ganz so viel Schmäh wie der Ostbahn-Kurti, aber genauso viel Herz und deutlich mehr Glamour.

Diesen verströmt sie – wie man schon bei der Generalprobe hören konnte – besonders in großen Duetten mit Soulsängerin Lylit („Where Have All the Good Men Gone“) und Russkaja-Sänger Gregorij („Summer Wine“ im Polkarhythmus, mit russischem Akzent!); und wenn sie, begleitet von den subtil schmachtenden Wiener Symphonikern, „Rise Like a Phoenix“ oder „I Am What I Am“ singt, rührt er/sie noch immer auch dadurch, dass man spürt, dass ihm/ihr die Botschaft dieser Songs – Respekt für alle, auch wenn sie „anders“ sind – so wichtig ist.

Sonst leitet Conchita Wurst mit viel Charme ein vielfältiges Musikprogramm. Rapperin Yazmo, teilweise von der Jazzkantine begleitet, predigt eifrig gegen Patriarchat und Rassismus; Harri Stojka glänzt mit seiner Version der Roma-Hymne „Djelem, djelem“. Nur die klassische Musik, die ja heuer im sonstigen Festwochen-Programm nicht vorkommt, ist ein bisschen schwach vertreten. Die Kombination eines Haydn-Menuetts mit einem Tanz aus Simbabwe, vorgeführt vom Ensemble Mozuluart, ist immerhin originell. (tk)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Festwochen: Gut, dass Conchita Wurst noch aktiv ist

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.