Elfriede Jelinek: "Religiöser Fanatismus zieht Sadisten an"

Fundamentalismus würde einen Raum schaffen, in dem Sadisten ihren Trieben freien Lauf lassen können, sagt die Literaturnobelpreisträgerin. Terrorismus könne nur mit Freiheit bekämpft werden.

Austrian writer and Nobel Literature Laureate Jelinek poses in her house in Vienna
Austrian writer and Nobel Literature Laureate Jelinek poses in her house in Vienna
REUTERS

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, deren Stück "Wut" am kommenden Dienstag im Rahmen des Theaterfestivals der Biennale von Venedig gezeigt wird, ist der Ansicht, dass religiöser Fanatismus Sadisten anlockt. "Fundamentalisten sind engstirnig, verdorrt und bösartig, wie es Sadisten sind", so Jelinek im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Donnerstag.

"Es ist wahrscheinlich, dass religiöser Fundamentalismus Sadisten anzieht, indem er ihnen einen Raum gibt, in dem sie ihren Trieben freien Lauf lassen können", so Jelinek. Wut gegen den islamischen Terrorismus sei sinnlos, Terrorismus könne nur mit Freiheit bekämpft werden. "Wir können all das tun was wir wollen, solange wir nicht die Freiheit der anderen beschränken. Islamische Fundamentalisten dürfen nur tun, was ihr Gott ihnen angeblich vorschreibt", sagte die Schriftstellerin.

Wütende Bürger stammen aus allen sozialen Schichten

Das Thema "Wut" sei in der heutigen Gesellschaft besonders aktuell. Ein Beispiel seien die "wütenden Bürger". "Das sind Personen, die ohne Unterschiede zu machen, gegen Ausländer sind, Flüchtlingseinrichtungen in Brand setzen, Protestmärsche organisieren und die Errichtung von Mauern fordern... Diese Personen stammen aus allen sozialen Schichten. Sie fühlen sich deklassiert, oder befürchten die Deklassierung. Das ist diese Schicht, die den Faschismus generiert. Die Macht verwendet sie zu ihren eigenen Zwecken", so Jelinek.

Die Literaturpreisträgerin berichtete, sie arbeite weiterhin an ihrem Werk "Die Schutzbefohlenen". "Das ist eines meiner großen Themen: Die Utopie der absoluten und reinen Aufnahmebereitschaft. Ich arbeite weiter an diesem Text, nicht unbedingt, weil sich etwas geändert hat, sondern weil sich einiges erst jetzt klar herauskristallisiert hat", betonte Jelinek.

Werk über US-Präsident Donald Trump

Die Schriftstellerin bestätigte, dass sie an dem Werk über US-Präsident Donald Trump "Am Königsweg" arbeite. Sie klagte, dass Theater "zu langsam und faul" seien, wenn es um politische Werke geht. "Das ist eine wahre Qual für mich. Man müsste Theater ad hoc für politische Werke öffnen. Trump ist wie eine Parodie von König Ödipus. Ein Despot in den Händen von Göttern mit schlechtem Charakter, in den Händen einer Person wie Putin. Das Satyrspiel zur Tragödie", so Jelinek.

 

(APA)

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