Die neuen politischen Kampfbegriffe

Erinnern Sie sich an das Wort Gutmensch? Das ist out – man attestiert dem Gegner jetzt „Hypermoralismus“. Dieser kontert vielleicht und sieht „rohe Bürgerlichkeit“ am Werk. Über die neuen Begriffe im ideologischen Kampf.

Wer vor ein paar Jahren aufmerksam den politischen Diskurs verfolgte, hätte die weitere Entwicklung vermutlich vorhersehen können. Plötzlich war allenthalben von Political Correctness die Rede, von Gutmenschen und der Lügenpresse. Wobei die Rechte nicht nur auffallend kreativ war, wenn es um Neologismen ging – auch altbewährte Wörter erhielten unter ihrem Einfluss eine neue Färbung. Das Establishment und die Elite bekamen einen negativen Beigeschmack. Als Mainstream wurde plötzlich abwertend jede politische Haltung bezeichnet, die sich nicht mit der eigenen deckte, und sogar die Willkommenskultur diente plötzlich als Kampfbegriff.

Nun, da etwa die FPÖ in der Regierung sitzt und Donald Trump im Weißen Haus, lässt sich nicht mehr so leicht über das Establishment wettern. Jetzt wird die Elite von links attackiert – unter anderem mit dem Slogan vom alten weißen Mann, der sich mit letzter Kraft gegen den Privilegienverlust sträube. Aus den USA kam die Toxic Masculinity, aus Deutschland die rohe Bürgerlichkeit und der Mitte-Extremismus, sehr schlagkräftige Begriffe. Wogegen die jüngsten rechten Wortneuschöpfungen entweder zu radikal sind, um größere Verbreitung zu finden. Oder aber – wie biodeutsch – zum Teil eher lächerlich wirken und aus diesem Grund schon jetzt ironisch gebraucht werden. Neu im Diskurs ist der Hypermoralismus – der aber nur das alte Gutmenschentum ersetzt. Zumindest auf dem Feld der Sprache scheint die Linke ein Comeback zu erleben.

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