Wer siegen will, fälscht die Geschichte

Reconquista reloaded: Spaniens Ultrarechte wollen wieder den Islam vertreiben. Sie starten am Ort einer erfundenen Schlacht. Lügen schweißen zusammen – auch anderswo.

Eine Schlacht zwischen Christen und Mauren, aus der Liedersammlung "Cantigas de Santa Maria".
Eine Schlacht zwischen Christen und Mauren, aus der Liedersammlung "Cantigas de Santa Maria".
Eine Schlacht zwischen Christen und Mauren, aus der Liedersammlung "Cantigas de Santa Maria".

In die hohen Berge im hohen Norden hat Santiago Abascal seine Getreuen gerufen, zum Wahlkampfauftakt von Vox, der von ihm gegründeten Rechtsaußenpartei. Spanien müsse wieder befreit werden: von Separatisten, Linken, vor allem aber vom Islam. Und wo ließe sich diese martialische Botschaft symbolträchtiger verkünden als in Covadonga, dem asturischen Wallfahrtsort und Nationalheiligtum. Von hier ging die Reconquista aus, die Rückeroberung des arabisch besetzten Spaniens durch die Christen. In dem engen Gebirgstal verschanzte sich der Westgotenfürst Pelayo, hier trotzte er 722 mit der Hilfe der Gottesmutter Maria den zahlenmäßig weit überlegenen muselmanischen Truppen, die ihn verfolgten. Der erste Sieg, eine legendäre Schlacht. Durchaus im wörtlichen Sinn, denn es hat sie nie gegeben.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2019)

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