Alpbach: Das Dilemma, Freiheit für Sicherheit aufzugeben

Das heurige Europäische Forum will die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit ausloten.

EUROPÄISCHES FORUM ALPBACH
EUROPÄISCHES FORUM ALPBACH
Das heurige Europäische Forum will die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit ausloten. – APA/ROBERT PARIGGER

Die Niederungen der österreichischen Innenpolitik sind beim Europäischen Forum Alpbach ja eher ein notwendiges Übel. Gebetsmühlenartig wiederholen die Betreiber, dass man international ausgerichtet ist, dass man europäisch denkt. Heimische Tagespolitik versucht man, wenn es nur irgendwie geht, aus dem Programm herauszuhalten. Beim heurigen Motto „Freiheit und Sicherheit“ wird das wohl nicht ganz gelingen. Zu sehr stehen Themen wie Migration, Terrorismusabwehr oder Internetüberwachung auf der aktuellen politischen Agenda.

Immerhin, man versucht die Debatte zumindest auf eine höhere Ebene zu heben. „Weniger Freiheit für mehr Sicherheit?“ ist der Titel einer Diskussion im Rahmen der politischen Gespräche. Und eigentlich hätte das Forum hier gern FPÖ-Innenminister Herbert Kickl mit Schriftsteller Ilija Trojanow über Bürgerrechte diskutieren lassen. Allein, Kickl habe die Einladung nicht angenommen. An seiner statt wird nun Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer auf dem Podium sitzen.

Die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit scheine die heutige Gesellschaft nicht zu finden, meinte Forumspräsident Franz Fischler bei der Präsentation des Programms am Mittwoch. Derzeit habe er jedenfalls den Eindruck, dass man eher dazu neige, Freiheit für mehr vermeintliche Sicherheit aufzugeben. Nicht zuletzt aus Angst – die sei mit Blick auf Anschläge wie zuletzt in Sri Lanka eine „logische Reaktion“, wie Fischler meint. „Aber sich nur zu fürchten, hilft ja nicht weiter.“ Wie man diese Angst nehmen könne, darüber müsse man reden – nicht, wie man sie schürt: „Dafür gibt es ohnehin genug Leute, die das versuchen.“

Die beiden Leitbegriffe sind, wie beim Forum Usus, weit gefasst. Freiheit sei etwa mehr als individuelle Freiheit. Mit einer breiten Definition bringt man so auch das Thema Nachhaltigkeit ins Programm. Denn da gehe es um die Freiheit nachfolgender Generationen. Mehr Mündigkeit im Umgang mit Freiheit – das ist eines der Ziele, die Forum-Geschäftsführer Philippe Narval definiert. Und das Bildungssystem in diesem Sinn radikal weiterzuentwickeln. Daran will man selbst auch mitwirken – indem die Stipendiaten der Seminarwoche mit kulturellem Lernen konfrontiert werden sollen, etwa bei einem Chorseminar mit Erwin Ortner, Leiter des Schönberg-Chors.

Rund 5200 Teilnehmer aus 110 Ländern werden beim Forum erwartet, das heuer von 14. bis 30. August stattfindet. Neben internationalen Gästen (u. a. Zack Exley, Kampagnenleiter von Bernie Sanders, oder Ex-EZB-Direktor Jean-Claude Trichet) wird auch die heimische Politik vertreten sein. So wird Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) die Wirtschaftsgespräche eröffnen und Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Politischen Gespräche.

 

Weniger Schnaps trinkende Politiker

Eine Änderung im Programm wirkt für Alpbach-Veteranen radikal – es soll nur noch eine offizielle Eröffnungsfeier geben, diesmal mit einer Rede der ungarischen Philosophin Ágnes Heller. Die heimliche Eröffnungsfeier, der traditionelle Aufmarsch mit Blasmusik und Tiroler Schützen zu den Tiroltagen, wird aber nicht verschwinden. Sie soll nur gegenüber dem Programm in den Hintergrund rücken. Denn, so Fischler: „Wir wollen davon wegkommen, dass am Montag in den Zeitungen nur Schnaps trinkende Politiker gezeigt werden.“ (eko)

Infos und Programm: www.alpbach.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2019)

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