Buchhändlerin Susanne Dagen: „Jeder kann zu einer NPD-Veranstaltung gehen“

Ihre Sympathie für die AfD hat die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen zur „Unperson" gemacht – „Die Presse“ hat ihr zugehört. Von Auftrittsverboten, der Rache der Bürger und dem Wert der Diktaturerfahrung.

„Ich bin seit 30 Jahren im Kundendienst. Ich sehe den Einzelnen dort, wo er ist, woanders ist er eben nicht“ – Susanne Dagen vor ihrem Buchhaus Loschwitz.
„Ich bin seit 30 Jahren im Kundendienst. Ich sehe den Einzelnen dort, wo er ist, woanders ist er eben nicht“ – Susanne Dagen vor ihrem Buchhaus Loschwitz.
„Ich bin seit 30 Jahren im Kundendienst. Ich sehe den Einzelnen dort, wo er ist, und woanders ist er eben nicht“ – Susanne Dagen vor ihrem Buchhaus Loschwitz. – Robert Gommlich

Einst gaben sich die bekanntesten deutschsprachigen Autoren im Dresdner Villenviertel bei Susanne Dagen die Klinke in die Hand. 2015 erhielt ihre Buchhandlung den Deutschen Buchhandlungspreis, 2016 gleich noch einmal. Dann erschien ein „Spiegel“-Artikel, der die Buchhändlerin als Pegida-nah darstellte.

Und es erschien die „Charta 2017“, ein von Dagen initiierter offener Brief an die Veranstalter der Frankfurter Buchmesse: Diese hätten Angriffe linker Aktivisten auf rechte Verlage toleriert und sogar ermuntert, kritisierten die Unterzeichner. Von Verrat an der Meinungsfreiheit war die Rede, von „Gesinnungskorridor“, ja, von einer drohenden „Gesinnungsdiktatur“.

Susanne Dagen, 47 Jahre alt, quirlig und entschieden, führt immer noch ihr Buchhaus Loschwitz, das sie vor 24 Jahren gegründet hat, sowie das wenige Schritte entfernte gleichnamige Kulturhaus, das Veranstaltungen dient. Diese aber haben sich sehr verändert, die Schriftsteller sind rar geworden, es geht nun meist um politische Themen und Bücher. „Ich lade immer wieder auch Linke ein, die mich interessieren, sie sagen eigentlich alle ab oder antworten nicht“, erzählt Dagen. „Aber alle Publizisten, die ich heute einlade, hätten sich vor 2015 als links bezeichnet.“ Wie sie damit umgehe, dass etwa Autoren wie Robert Menasse oder Michael Köhlmeier wohl nicht mehr bei ihr auftreten werden?

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen