Vernichtende Kritiken für "September Eleven 1683"

Die polnisch-italienische Produktion über die Schlacht am Kahlenberg sei "ekelhaft anti-islamisch". Der Streifen soll in 50 Ländern in die Kinos kommen.

Ausschnitt des polnischen Filmplakats.
Ausschnitt des polnischen Filmplakats.
Ausschnitt des polnischen Filmplakats. – (c) Monolith Films

Ein historischer Streifen sorgt derzeit in Polen für Aufregung. Der polnisch-italienischen Produktion "September Eleven 1683" (auf polnisch "Bitwa pod Wiedniem", wörtlich übersetzt "Schlacht vor Wien") über die Schlacht am Kahlenberg 1683 werden neben unecht wirkenden Kampfszenen und historischen Fehler auch Anti-Islamismus vorgeworfen.

"Nicht einmal mehr lächerlich"

Die Zeitung Gazeta Prawna schreibt: Der Film "wirkt nicht einmal mehr lächerlich, sondern ruft nur Mitleid hervor", die Schauspieler würden in ihren Rollen "vergeudet". "Wenn König Jan Sobieski gewusst hätte, wie er in diesem Film dargestellt wird, wäre er bestimmt zu Hause bei seiner Maria geblieben", urteilt die Zeitschrift "Polityka". Der Film von Regisseur Renzo Martinelli Regie habe zu viele digitale Effekte, "die an die Grafik von schlechten Computerspielen erinnern", schreibt das Magazin weiters.

"Bollwerk des Christentums"

Für Polen hat die Schlacht am Kahlenberg besondere Bedeutung. Durch den Erfolg der Armee von König Jan Sobieski III. stellten polnische Denker im 19. Jahrhundert ihre Nation als "Bollwerk des Christentums" dar - eine Charakterisierung, die bis heute nachwirkt. Die Rezensenten bemängeln, dass die Ereignisse durch eine wundersame Beziehung zwischen dem italienischen Kapuziner-Mönch Marco d'Aviano (gespielt von F. Murray Abraham), Berater von Kaiser Leopold I., und dem osmanischen Wesir Kara Mustafa (Enrico Lo Verso) erzählt werden - obwohl diese keinen Einfluss auf die Handlung habe. Die Rolle von Jan Sobieski (Jerzy Skolimowski) trete da in den Hintergrund. Der einzige Lichtblick sei Abraham, der den Mönch "fantastisch" spiele, merkt die Zeitung "Rzeczpospolita" an.

Unentschuldbare Fehler

Als unentschuldbar stellen die Medien die historischen Fehler des Films dar. Sie berichten über ein polnisches Wappen von 1927, das in einer Szene zu sehen ist - und den Hirtenstab des verstorbenen Papstes Johannes Paul II., der immer wieder auftaucht. Den Kritikern missfällt auch, dass die polnischen Figuren und Schauspieler wenig Platz einnehmen - und dann nur wenig schmeichelhaft erscheinen. So wirke Sobieski "arrogant", schreibt "Polityka". Die polnischen Leinwandstars Daniel Olbrychski (General Marcin Kazimierz Katski) und Borys Szylc (Hetman Mikolaj Sieniawski) hätten so gut wie nichts tun, die ehemalige Lebensgefährtin von Colin Farell, Alicja Bachleda-Curus (als Eleonore von Österreich), werde darauf reduziert, "hübsch auszusehen".

"Ekelhaft anti-islamisch"

Der "Gazeta Prawna" zufolge sei der Streifen darüber hinaus noch "ekelhaft antiislamisch". So werde das Datum 11. September immer wieder genannt, obwohl die Schlacht am 11. und 12. September stattgefunden habe - nur, um einen Zusammenhang zum islamistischen Terrorismus herzustellen, so der Rezensent der Zeitung.

Die Kritik, auch auf Plattformen wie Facebook, wurde so massiv, dass sich Produzent Alessandro Leone in einem offenen Brief zu Wort meldete. Viele Rezensionen seien ihm zufolge "ungerecht und erniedrigend". Er müsse die Schauspieler verteidigen, die "die große Kunst ihres Könnens" aufgeboten hätten.

"Polen als starkes Land"

Ziel des Films, der am 12. Oktober in Polen angelaufen ist, sei es gewesen, "Polen als starkes, modernes und positives Land darzustellen, das nicht in seiner Rolle als Opfer des Zweiten Weltkrieges gefangen ist". Leone kündigte den Verleih der 12 Millionen Euro teuren Produktion ins Ausland an, nach Informationen polnischer Medien soll er in 50 Ländern in die Kinos kommen.

Link zum offiziellen Trailer: "September Eleven 1683".

(APA)

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