Filmpreis: Noch ein Sieg für Ulrich Seidl

Ulrich Seidl war der größte Gewinner des dritten Österreichischen Filmpreises. "Paradies: Liebe" gewann drei Preise, Karl Merkatz wurde bester Darsteller. Die Verleihung im Rathaus blieb sympathisch unstimmig.

Ulrich Seidl
Ulrich Seidl
Ulrich Seidl – (c) EPA (HERBERT PFARRHOFER)

Für sechs Preise war sein Film nominiert, immerhin drei räumte er ab: Ulrich Seidl war, nicht überaus überraschend, der größte Gewinner des dritten Österreichischen Filmpreises. Sein Sextourismusdrama „Paradies: Liebe“ gewann Mittwochabend im Wiener Rathaus in den Kategorien „Bester Spielfilm“ und „Beste Regie“, Hauptdarstellerin Margarethe Tiesel („Es war die härteste und beste Arbeit meines Lebens“) wurde von der Jury zur besten Schauspielerin gewählt.

Es sei für ihn „trotz der internationalen Preise“ eine Ehre, „gerade hier den Preis für die beste Regie zu bekommen“, bedankte sich Seidl kurz und bündig, wie die meisten der Ausgezeichneten – bis auf Dokumentarfilmer Gerald Igor Hauzenberger, der das Verfahren gegen die mittels Mafiaparagrafen angeklagten Tierschützer begleitet hatte und die Chance nützte, die kafkaeske Entstehung seines Films „Der Prozess“ zu schildern.

Wie im Paradies: Seidl triumphiert beim Österreichischen Filmpreis

Um bei den Facts zu bleiben: Karl Merkatz wurde für die Liebesgeschichte „Anfang 80“ bester Schauspieler und erntete Bravorufe aus dem Publikum. Größte Konkurrenten für Seidl waren Florian Flicker (mit der Dreiecksgeschichte „Grenzgänger“) und Julian Pölsler („Die Wand“). Flicker wurde immerhin für das beste Drehbuch ausgezeichnet, ein Preis ging an seinen Kameramann Martin Gschlacht. „Die Wand“ ging, in Anwesenheit der nominierten Hauptdarstellerin Martina Gedeck, leer aus. Nur in Unterkategorien zugelassen war die mehrheitlich deutsche Kehlmann-Verfilmung „Die Vermessung der Welt“, sie gewann bei Maske und Kostümbild.


Kurz und bündig“ war auch (nicht ganz eingehaltenes) Motto und Vorgabe für Moderator Rupert Henning. Was gut zu den intimen ersten Verleihungen im Odeon-Theater und in den Rosenhügelstudios gepasst hatte. Im opulenten Festsaal des Rathauses mit mehr als tausend Gästen wirkte die bewusste Schlichtheit – keine Einspielungen, am Buffet Würstel, Wein und Bier – seltsam, aber sympathisch und authentisch.

Karl Markovics, der Präsident der Akademie des Österreichischen Films, erklärt die Sache pragmatisch: „Wir passen uns den Leuten an, beim ersten Mal waren wir heillos überbucht. Hier haben wir einen herrlichen Raum, in dem wir viele Leute unterbringen.“ Er wolle nur „nie wo landen, wo man von Tradition sprechen kann“. Wann er selbst wieder mit einem Film ins Rennen geht, weiß er nicht: „Ich bin in einer Phase, wo beim Drehbuch nichts weitergeht.“ Im Vorjahr hatte Markovics mit „Atmen“ abgeräumt. Sein junger Darsteller, Thomas Schubert, überreichte heuer mit Ursula Strauss die Preise und gestand anschließend, doch nicht – wie erst vernünftig angekündigt – die Matura gemacht zu haben. Und auch, warum seine rechte Hand dick verbunden war: Für Andreas Prochaskas neuen Film hatte man Waldarbeiten gefilmt. Ein Stamm kam ins Rutschen, jemand wollte ihn mit der Spitzhacke aufhalten – und nagelte Schuberts Hand an das Holz. Nichts Wesentliches wurde verletzt – er dreht schon wieder.

Erstmals dabei war Viennale-Direktor Hans Hurch, beim letzten Festival mit Seidl im Streit in Sachen Programmplatz. „Da sind zwei Sturköpfe aneinandergeraten“, erklärte er. „Aber hätte ich seine Filme auf den Hauptabend verlegt, hätte ich allen anderen österreichischen Regisseuren unrecht getan.“ Böse sei man einander nicht. „Die Filme sind großartig, Seidl hat verdient gewonnen.“

Auf einen Blick

Bester Spielfilm: „Paradies: Liebe“

Dokumentarfilm: „Der Prozess“

Kurzfilm: „Unser Lied“

Darstellerin: Margarethe Tiesel („Paradies: Liebe“)

Darsteller: Karl Merkatz („Anfang 80“)

Regie: Ulrich Seidl („Paradies: Liebe“)

Drehbuch: F. Flicker („Grenzgänger“)

Schnitt: Monika Willi („Die Lebenden“)

Kamera: M. Gschlacht („Grenzgänger“)

Kostümbild: Thomas Olàh („Die Vermessung der Welt“)

Maske: Monika Fischer-Vorauer, Michaela Oppl („Die Vermessung der Welt“)

Musik: Eva Jantschitsch („Grenzgänger“)

Szenebild: Katrin Huber („Kuma“)

Tongestaltung: Nils Kirchhoff, Bernhard Maisch, Dieter Meyer („More than Honey“)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2013)

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