Akin sagt Film über ermordeten armenischen Journalisten ab

Regisseur Fatih Akin konnte laut eigenen Aussagen keinen türkischen Hauptdarsteller finden. Der Armenier Hrant Dink wurde 2007 in Istanbul erschossen.

GERMANY CINEMA fatih akin
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(c) EPA (JOERG CARSTENSEN)

Der deutsch-türkische Erfolgsregisseur Fatih Akin hat eine Filmproduktion über das Schicksal des ermordeten armenischen Journalisten Hrant Dink abgeblasen - weil er nach eigenem Bekunden keinen türkischen Hauptdarsteller finden konnte. Das fertige Drehbuch sei von allen angefragten Mimen als "zu drastisch" kritisiert worden, sagte Akin der türkisch-armenischen Wochenzeitung "Agos".

Neues Akin-Projekt namens "The Cut"

Stattdessen wolle er nun einen nicht weniger konfliktträchtigen Leinwandstreifen namens "The Cut" in die Kinos bringen, der vom Massenmord an den Armeniern unter der Herrschaft des Osmanischen Reichs im Ersten Weltkrieg handeln soll.

Journalist 2007 in Istanbul erschossen

Hrant Dink war am 19. Jänner 2007 am helllichtem Tage von einem jugendlichen Rechtsnationalisten vor dem "Agos"-Redaktionssitz in Istanbul erschossen worden. Der Journalist galt unter Nationalisten als verhasst, weil er dafür eintrat, die türkischen Massaker an den Armeniern als Völkermord anzuerkennen. Die Regierung in Ankara vermeidet bis heute die offizielle Einstufung als Genozid. Dinks Familie geht davon aus, dass der türkische Staat in den weltweit beachteten Mordfall verwickelt war.

"Zeit noch nicht reif dafür"

"Es wäre wichtig gewesen, einen 'türkischen Film' über Hrant zu drehen", sagte Akin im "Agos"-Interview. "Ein amerikanischer oder französischer Schauspieler könnte Hrant nicht darstellen." Die Türken müssten sich "mit dieser Sache selbst auseinandersetzen", aber "offensichtlich ist die Zeit noch nicht reif dafür".

Für einen Film wie "The Cut" sei die Türkei dagegen bereit, fuhr Akin fort. Der Streifen soll die Geschichte eines Armeniers erzählen, der das Massaker während des Ersten Weltkriegs überlebte und schließlich zu einer Weltreise aufbrach, um seine Tochter zu finden. Die Premiere des Films mit dem Franzosen Tahar Rahim in der Hauptrolle ist Ende August bei den 71. Internationalen Filmfestspielen in Venedig geplant. In Deutschland soll der Film am 27. September in Hamburg Premiere haben.

(APA/AFP)

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